Ein guter Tierarzt

Wenn du deine erste Katze bekommst, musst du dir unbedingt einen Tierarzt suchen, allein schon, um Gesundheitschecks und die Grundimmunisierung machen zu lassen. Doch wie findest du einen guten Tierarzt? Du hast dir deinen Hausarzt sicher auch sorgfältig ausgesucht, warum solltest du dann im Zweifel das Leben deiner Katze blind irgendeinem Tierarzt anvertrauen? Hier verraten wir dir, wie du einen guten Tierarzt finden kannst.

Wie fange ich mit der Suche nach einem guten Tierarzt an?

Wenn du dich für ein Kitten entschieden hast, dauert es meist noch etwas, bis es wirklich bei dir einzieht. Dann wird es Zeit für den ersten Gesundheitscheck. Folglich solltest du noch vor dem Einzug mit der Suche nach einem guten Tierarzt beginnen. Genau wie ein Hausarzt bzw. Allgemeinmediziner, lebt auch ein Tierarzt von seiner Reputation in der Umgebung. Der Einzugskreis seiner Patienten umfasst einen Radius von wenigen Kilometern, denn kaum jemand hat Lust, stundenlang unterwegs zu sein, wenn er zum Tierarzt geht, sofern keine Behandlung durch einen ausgewiesenen Spezialisten notwendig ist.

Vielleicht hast du in der Nähe Freunde, die auch Haustiere haben. Dann kannst du sie nach deren Tierärzten befragen. Es ist gar nicht wichtig, ob sie auch eine Katze haben, die Anforderungen an einen guten Tierarzt sind für jedes Tier gleich, egal ob Meerschweinchen, Katze oder Hund. Ansonsten hast du möglicherweise Nachbarn mit Haustieren, die du nach ihren Tierärzten fragen kannst.

Ihr müsst euch gar nicht mal richtig kennen, die meisten Tierhalter reagieren sehr freundlich und hilfsbereit, wenn du an der Tür klopfst und sagst „Hallo, ich bin soundso und wohne auch hier im Haus. Mir ist aufgefallen, dass Sie Katzen haben. Ich bekomme auch bald ein kleines Kätzchen und möchte Sie gerne fragen, ob Sie in der Nähe vielleicht einen guten Tierarzt kennen?“

Wenn du keine persönlichen Empfehlungen bekommen kannst, ist das Internet dein Freund. Dort kannst du dir mithilfe einer Suchmaschine Tierärzte in deiner Nähe anzeigen lassen. Gut ist es, wenn ein Tierarzt eine Internetseite hat, sodass du dir vor dem Besuch einen ersten Eindruck machen kannst. Eine gute Tierarzt-Homepage enthält mehr als nur Öffnungszeiten, Kontaktdaten und Adresse. Sie bietet auch Einblicke in die Praxis. Du solltest dir die Räume ansehen können und auch das Praxisteam vorgestellt bekommen. Hier braucht es nicht die Biografie eines jeden Angestellten, aber ein Foto vom Team sollte schon vorhanden sein.

Außerdem ist es immer gut, wenn die Leistungen aufgelistet sind, idealerweise auch noch mit einer Erläuterung, worum es sich genau handelt, denn vor allem als Laie was Tierhaltung und -krankheiten angeht, werden dir die Fachbegriffe zunächst wahrscheinlich nicht viel sagen.

Mit Vorsicht genießen solltest du Bewertungen im Internet. Auf der Seite selbst findest du sicherlich nur selektierte positive Bewertungen. Auf Bewertungsportalen kriegt bestimmt sogar der beste Tierarzt der Welt einige schlechte Bewertungen, da es bei Menschen im Internet eigener Erfahrung nach so ist, dass nur ein kleiner Prozentsatz seine positiven Erfahrungen mitteilt. Eine negative Erfahrung hingegen wird aus Rache oder Frust heraus viel schneller abgegeben.

Woran erkenne ich einen guten Tierarzt?

Wir gehen jetzt einfach mal davon aus, dass du noch kein Haustier hattest und du deswegen wohl noch keinen Kontakt mit Tierärzten. Es ist kein absolutes Muss, aber im Idealfall kannst du bei dem Tierarzt deiner Wahl sogar einen Termin zum Kennenlernen ohne Tier vereinbaren. Dann kannst du zur Praxis fahren und der Tierarzt oder eine Assistenzkraft kann dir die Räumlichkeiten zeigen und deine Fragen beantworten.

Achte darauf, wie du behandelt wirst. Behandelt er dich respektlos, herablassend oder wirkt, als wolle er das alles möglichst schnell hinter sich bringen, ist das sicherlich kein gutes Zeichen. Der Tierarzt sollte dir aufmerksam zuhören und kein Fachchinesisch sprechen. Wenn er weiß, dass das für dich alles Neuland ist, kann er ruhig ein paar gängige Fachbegriffe nutzen, damit du sie schon mal gehört hast. Dann sollte er sie dir aber auch in einfachen Worten erklären. Spricht er zum Beispiel über das Risiko einer Hüftdysplasie, sollte er erklären, dass es sich um eine Erkrankung des Hüftgelenks handelt, die zu Lahmheit und Bewegungsunlust führt und gegebenenfalls operiert werden muss.

Natürlich sollte er dir auch erklären, was beim ersten Besuch mit deinem neuen Kitten gemacht wird und dich über die Grundimmunisierung aufklären. Er sollte ebenfalls geduldig auf Nachfragen antworten, wenn du wissen willst, warum die Impfung gemacht werden sollte und was es mit der jeweiligen Krankheit auf sich hat.

Ebenso sollte er dir ein paar Tipps für den Einzug deines Kittens geben, zum Beispiel bezüglich der Ernährung. Du solltest ihn auch nach Notfallkliniken in der Nähe fragen, denn ein guter Arzt kann dir sofort sagen, wohin du deine Katze im Notfall bringen solltest, wenn sie sich zum Beispiel mitten in der Nacht eine blutende offene Wunde zuzieht.

Wie bereits angesprochen, ist ein Vorgespräch das Tüpfelchen auf dem i. Wenn der Terminkalender des Arztes voll ist, hat er dafür schlichtweg keine Zeit, da er sich um seine tierischen Patienten kümmern muss.

Die Praxis selbst sollte ebenfalls einen guten Eindruck machen. Zunächst sollte sie sauber sein. Der Boden sollte so aussehen, als würde er täglich gewischt und auch die sonstige Einrichtung sollte gepflegt und modern aussehen. Ein großes Wartezimmer ist immer gut, damit zum Beispiel zwei Hunde, die sich nicht riechen können, räumlich voneinander getrennt werden können und sich nicht kläffend gegenüber sitzen müssen. Schön ist es auch, wenn im Wartezimmer Sitzbänke sind, damit du deinen Transportkorb neben dich stellen kannst, während du wartest.

Achte auch auf die anderen Tiere und Patienten. Bei einem guten Tierarzt wirken die Menschen den Umständen entsprechend entspannt, da sie wissen, dass ihre Lieblinge in guten Händen sind. Selbiges gilt für die Tiere. Selbstverständlich geht kein Tier gerne zum Arzt und kranke Tiere sind nicht unbedingt bestens gelaunt. Stell dir in der Situation einfach vor, du wärst mit deiner Katze hier. Hast du ein gutes oder ein mieses Gefühl dabei? Wenn du dich lieber gleich wieder umdrehen würdest, solltest du es wohl auch tun.

Der erste Tierarztbesuch mit der Katze

Ob der Tierarzt wirklich etwas taugt, zeigt sich erst, wenn du siehst, wie er mit deinem Kätzchen umgeht. Wenn du zum ersten Mal mit deiner Katze zu ihm gehst, wird eine Patientenakte angelegt. Entweder musst du ein Formular ausfüllen oder du machst es direkt am Tresen mit der Assistenzkraft, welche die Daten gleich in den Computer eingibt.

Da das Kätzchen für dich ganz neu ist, kannst du gar nicht viele Angaben machen, daher reichen meistens das geschätzte Geburtsdatum und der Name. Den Namen solltest du später noch ändern lassen können. Als wir mit Cloé zum ersten Gesundheitscheck gegangen sind, haben wir sie erst unter dem Namen „Würmchen“ angemeldet. Sie war eben ein sehr langes Kitten und wir wussten noch nicht welches Geschlecht sie hatte. Folglich brauchte sie einen Übergangsnamen.

Im Untersuchungsraum besprichst du mit dem Arzt kurz, weswegen du da bist. Der Arzt sollte liebevoll und vorsichtig mit deinem Kätzchen umgehen. Selbst wenn es sich in der hinteren Ecke des Transportkorbs verstecken sollte, sollte er sie nicht am Nacken packen und mit Kraft auf den Tisch ziehen. Er führt die Grunduntersuchung durch und erklärt dir dabei, was und warum er das tut. Du solltest auch stets sofort das Ergebnis erfahren. Wenn er zum Beispiel das Mäulchen untersucht, sollte er gleich sagen, ob alles in Ordnung ist.

Anschließend erläutert er dir das weitere Vorgehen zwecks Entwurmung und Impfschutz. Solltet ihr kein Vorgespräch geführt haben, wäre jetzt der Zeitpunkt für all deine Fragen. Deine Katze ist von alldem wahrscheinlich etwas eingeschüchtert und nervös, wobei allerdings auch das Gegenteil der Fall sein kann. Gut ist es, wenn der Arzt oder eine Assistenzkraft der Katze gut zuredet, sie streichelt und beruhigt. Ein paar Leckerchen sind natürlich auch erlaubt. Das ist sogar gut für die Katze, denn dann ist ihre erste Erfahrung mit einem Arzt gar nicht so schlimm.

Ein guter Tierarzt: Der erste Krankheitsfall

Hast du dich nach dem ersten Tierarztbesuch dazu entschieden, dass du diesem Tierarzt treu bleiben möchtest, ist das schon mal gut. Die wahre Qualität eines Tierarztes zeigt sich allerdings erst im Ernstfall, nämlich dann, wenn du abseits von Routineuntersuchungen mit einem Krankheitsverdacht zu ihm gehst.

Natürlich gilt auch hier, dass er vorsichtig und behutsam mit der Katze umgeht. Er untersucht sie gründlich und hält dich dabei auf dem Laufenden. Wenn er eine Diagnose stellt, erklärt er dir genau, was mit deiner Katze nicht stimmt und wie er gedenkt, sie zu behandeln. Gibt es mehrere Behandlungsmöglichkeiten, zum Beispiel eine medikamentöse und eine chirurgische, erklärt er dir die Vor- und Nachteile. Sollte eine Behandlung lebenswichtig sein, darf er dir gern ins Gewissen reden. Damit zeigt er nur, dass ihm das Tierwohl am Herzen liegt.

Der Tierarzt sollte nur tun, was er auch tun muss. Unnötige Diagnostik sollte er nicht durchführen. Damit ist gemeint, er sollte nicht bei jeder Diagnose zum Beispiel ein Ultraschall oder ein Röntgenbild machen lassen, wenn es keinen konkreten Verdacht auf eine Krankheit gibt, zu deren Diagnose so etwas notwendig ist. Dein Hausarzt röntgt dich schließlich auch nicht jedes Mal, wenn du mit einem grippalen Infekt zu ihm gehst. Wenn dein Tierarzt solche Untersuchungen durchführt, kann er sie auch abrechnen und im Zweifel ist ihm sein Konto wichtiger als deine Katze.

Wenn der Tierarzt deiner Katze Medikamente verordnet, sollte er dir erklären, wie sie wirken und wann du sie ihr verabreichen sollst. Braucht sie zum Beispiel Tabletten, zeigt er dir, wie du sie am besten in die Katze reinbekommen kannst. Bei der ersten Erkrankung ist ein sehr guter Tierarzt auch so kulant und bietet an, dass du zur Medikamentengabe kurz in die Praxis kommen kannst, wenn du es nicht schaffen solltest, der Katze die Pille einzuflößen. Das übernimmt dann eine Assistenzkraft bzw. sie leitet dich genau an, damit du es das nächste Mal selbst hinbekommst.

Paradebeispiel für einen guten Tierarzt

Einen sehr guten Tierarzt erkennst du im Laufe der Zeit auch an vielen Kleinigkeiten. Unseren Tierarzt haben wir mehr oder weniger pragmatisch gefunden, indem wir nach Tierärzten in der Nähe gesucht haben. Auf der Website machte die Praxis einen sehr guten Eindruck und sowohl mit dem Auto als auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ist sie für uns gut zu erreichen.

Etwas, was die Praxis ausmacht, sind die Öffnungszeiten. Die Praxis ist von 9 bis 20 Uhr geöffnet und das wirklich jeden Tag, selbst an Sonn- und Feiertagen ist das Team für kranke Tiere da. Die Assistenzkräfte am Empfang waren stets überaus lieb und freundlich. Auch am Telefon nehmen sie sich Zeit, wenn man eine Frage hat. Im Wartezimmer hängt ein großer Fernseher, auf dem verschiedene Behandlungen und das Praxisteam erklärt bzw. vorgestellt werden. Zudem stehen Leckerchen für die Tiere sowie Kaffee für den Tierhalter bereit.

Alle unsere Tiere, früher waren es Meerschweinchen und Ratten, heute sind es Katzen, wurden stets sehr liebevoll behandelt. Hier kommen wir zu den kleinen Dingen, die zählen. Eine unserer Ratten war mal ganz schlapp, also haben wir sie in einen Karton gepackt und sind ab zum Tierarzt. Die Ratte atmete nur noch flach, die Assistenzkraft hat sie angesehen und sofort einen Notfall aufgemacht. Etwa dreißig Sekunden später waren wir im Behandlungsraum.

Die Ärztin tat, was sie konnte, aber sie hat im Bauch einen Tumor entdeckt, der inoperabel war. Damit wir das begreifen, hat sie uns die Stelle gezeigt, damit wir das Geschwür selbst fühlen konnten. Mit wirklich ruhiger und betroffener Stimme erklärte sie uns, dass sich die Ratte höchstens noch ein paar Stunden quälen würde und es besser fände, sie zu erlösen. Schweren Herzens haben wir uns dafür entschieden. Nach der Spritze hat das Leiden nur noch wenige Sekunden angehalten.

Wir standen da, meine Frau hat Krokodilstränen vergossen und die Ärztin hat sich viel Zeit gelassen bis sie uns sagte, dass es schlimm ist, wir aber noch etwas bezahlen müssen. Tatsächlich hat sie uns angeboten, gleich zu bezahlen, aber es wäre auch kein Problem, es einfach beim nächsten Besuch zu machen. Ebenso hat sie uns angeboten, noch etwas im Behandlungszimmer zu verweilen, bis wir uns wieder gefangen haben.

Die Güte zu unseren Tieren, die Freundlichkeit, die Kompetenz und auch solch pietätvolles Verhalten sind der Grund, warum wir unserem Tierarzt seit über 15 Jahren treu geblieben sind. Wir wünschen dir, dass du für deine Katze genau so einen Tierarzt findest.