Stressfrei zum Tierarzt

Ein Besuch beim Tierarzt bedeutet für deine Katze jede Menge Stress. Sicherlich geht niemand gerne zum Arzt, aber du weißt, was dich wohl erwartet, deine Katze kann mit der gesamten Situation allerdings nichts anfangen. Der erste Tierarztbesuch verläuft meist harmlos, aber wenn deine Katze den nächsten Besuch wittert, wird sie sich vermutlich mit Krallen und Pfoten dagegen wehren. Hier erfährst du, wie du den Tierarztbesuch für euch beide so stressfrei wie möglich angehen kannst.

Warum haben so viele Katzen Angst vorm Tierarzt?

Versetz dich einfach mal in die Situation, so wie deine Katze sie erlebt. Dir geht es gerade nicht besonders gut, aber du hast wenigstens geschlafen und machst deine Kontrollrunde durch dein Revier. Plötzlich greift dein Mensch nach dir und verfrachtet dich in einen kleinen Transportkorb. Du bist jetzt nicht mehr nur krank, sondern auch noch eingesperrt.

Dann nimmt dein Mensch die Transportbox hoch, wobei du ordentlich durchgeschüttelt wirst. Anschließend verlässt er mit dir dein Revier. Deine vertrauten Gerüche und Geräusche sind nun auch weg, sodass du gar nicht mehr weißt, was los ist. Dann geht das Gerumpel weiter, du siehst fremde Tiere und Menschen, hörst viele unterschiedliche laute Geräusche und nimmst etliche unbekannte Gerüche wahr.

Anschließend hebt dich ein fremder Mensch aus deiner Transportbox, tastet dich ab, drückt überall drauf und piekst dich im Zweifel noch. Dann kommt der stressige Heimweg und wieder zu Hause bist du einfach nur noch vollkommen erledigt. Hättest du Lust darauf, das noch einmal zu erleben?

Katzen sind sehr sensible Tiere, sie spüren schnell, wenn ihnen etwas droht, was ihnen nicht passt. Wenn du mit dem Transportkorb ankommst, weiß sie sofort, dass gleich etwas passieren wird, was ihr nicht gefällt. Logischerweise wehrt sie sich dann.

Für Kitten ist ein Tierarztbesuch aufregend und spannend

Der erste Besuch beim Tierarzt ist für das kleine Kitten meistens sehr aufregend und spannend. Mit dem Transportkorb verbindet es noch keine negativen Erfahrungen. Gut, sie wurde in die Box gepackt und von Eltern sowie Geschwistern getrennt. Aber das neue Revier war für sie sicherlich super spannend. Es gibt also noch keinen Grund, Angst vor dem Transportkorb zu haben.

Auf dem Weg zu und beim Tierarzt hat dein Kitten Zeit, viele neue Eindrücke zu gewinnen, es ist gespannt, was als nächstes kommt. Bei unseren Kitten war das auch so, kaum war beim Tierarzt das Gitter geöffnet, tapsten sie raus, um ganz neugierig alles zu beobachten. Während der Grundimmunisierung musst du mit deinem Kitten regelmäßig zum Tierarzt. Diese Erfahrungen prägen deine heranwachsende Katze.

Cloé, die bei ihrem ersten Arztbesuch die Herzen aller Anwesenden hat höher schlagen lassen, wusste spätestens beim dritten Besuch Bescheid, dass es wieder zu diesen komischen grabbelnden und pieksendem Menschen mit dem blöden Stahltisch geht.

Für dich ist es wichtig, dass du dich während dieser Phase sehr ruhig, entspannt und beschützend verhältst. Vor allem die ersten Tierarztbesuche sind für die weitere Entwicklung deines Kätzchens wichtig. Daher sollten diese Besuche besonders ruhig und möglichst stressfrei über die Bühne gehen.

Die Katze in den Transportkorb bekommen

Der wichtigste Trick ist es, deine Katze an ihren Transportkorb zu gewöhnen. Sie soll ihn als Teil ihres Reviers annehmen. Zwar wird wohl kaum eine Katze eine innige Freundschaft mit ihrem Korb eingehen, da sie weiß, dass immer Mist passiert, wenn sie darin eingesperrt wird. Aber wenigstens ist sie in einem Teil ihres eigenen Revieres eingesperrt, was die Sache zumindest etwas entspannter macht.

Da wir drei Katzen haben und uns nicht das Wohnzimmer mit Transportkörben zustellen möchten, haben wir immer eine Transportbox rumstehen, die hin und wieder mal gewechselt wird, damit sich alle an die Boxen gewöhnen können. Die Transportboxen werden gut angenommen und dienen teils sogar als Schlafplatz oder Rückzugsort. Wichtig ist natürlich, dass die Transportbox geöffnet ist, damit deine Katze auch hinein kann.

Die Körbe sind jeweils mit einer Decke gepolstert, damit der Ort schön gemütlich ist. Zudem nehmen die Decken den Geruch der Katzen an, sodass sie sich darin wohler fühlen. Weigert sich deine Katze immer noch, in die Box zu gehen, kannst du die Box mit Pheromonen einsprühen und sie damit besonders interessant machen.

Auch mit Leckerlis kannst du deine Katze an den Transportkorb gewöhnen. Wichtig dabei ist, dass es kein erkennbares Muster gibt. Wenn du sie mit einem Leckerchen anlockst und sie dann einsperrst, funktioniert das genau einmal. Je nach Intelligenz vielleicht noch ein zweites mal. Spätestens beim dritten Versuch sollte deine Katze dein Spiel durchschaut haben und verzichtet lieber auf das Leckerchen. Im Vergleich zum Besuch beim Tierarzt ist der Verzicht auf ein Leckerli das kleinere Übel.

Regelmäßig solltest du aber Leckerlis jedoch nicht in den Transportkorb legen. Katzen haben die Eigenschaft, zweckdement zu sein. Sie merken sich nur die wirklich wichtigen Dinge. Angenommen, du gibst jeden zweiten Tag, nachdem du nach Hause gekommen bist, ein Leckerli. Die Katze merkt sich das. Weichst du von diesem Muster ab und zeigst dabei auch nur die geringsten Anzeichen von Anspannung, ist deiner Katze wahrscheinlich sofort klar, dass das ein Trick ist.

Sollte deine Katze Angst vorm Tierarzt haben und die Box damit verbinden, kannst du versuchen, diese Verbindung zu lockern, indem du sie gelegentlich mal im Korb mit raus nimmst. Mach einen Spaziergang oder eine Spazierfahrt mir ihr. Währenddessen passiert ihr nichts und sie freut sich am Ende, wieder zu Hause zu sein. So bringst du ihr bei, dass nicht immer etwas Schlimmes passiert, wenn sie in den Korb soll.

Was du deiner Katze allerdings nicht austreiben kannst, ist ihr Instinkt. Jede unserer drei Katzen liegt gerne im Transportkorb. Wir können auch daran vorbei oder darauf zu gehen. Das stört die nicht im Geringsten. Gehen wir jedoch mit der Intention dort hin, die Gunst der Stunde zu nutzen und sie einzusperren, merken die sofort, dass wir etwas vorhaben und rennen weg. In diesem Fall hilft nur, die Katze in einen Raum mit möglichst wenig Versteckmöglichkeiten zu treiben, die Tür zu schließen, um sie dann irgendwie in den Transportkorb zu bekommen.

In Rücksprache mit deinem Tierarzt kannst du deiner ängstlichen Katze auch ein leichtes Beruhigungsmittel verabreichen. Tu das aber bitte nur nach Absprache mit deinem Tierarzt, da sich das Mittel unter Umständen auf eine mögliche Diagnose auswirken kann.

Was brauche ich für den Tierarztbesuch alles?

Zunächst einmal solltest du Ruhe mitbringen. Deine Katze wittert deinen Stress bzw. deine Aufregung. Strahlst du Ruhe aus, ist der gesamte Prozess für euch beide angenehmer.

Dein Tierarzt muss natürlich wissen, was los ist. Darum solltest du anfangen, schon beim ersten Verdacht Protokoll zu führen, was bei deiner Katze anders ist als sonst. Geht es ihr akut sehr schlecht, ist deine Aufregung vielleicht so groß, dass du Details, die wichtig sein können, evtl. vergisst.

Den Impfpass deiner Katze solltest du auch dabei haben. Platziere ihn am besten an einem Ort, an dem du ihn immer schnell griffbereit hast. Besonders praktisch sind da Transportkörbe, die außen ein kleines Fach haben. Tust du den Pass da rein, kannst du ihn gar nicht mehr vergessen. Wenn du mehrere Katzen hast, kannst du auch alle Pässe in einem Fach verstauen. Die anderen Pässe mitzunehmen bringt zwar wahrscheinlich nichts, aber du kannst auch nicht in der Hektik den Transportkorb mit dem falschen Pass nehmen.

Wenn deine Katze kotzt oder auffälligen Kot absetzt, solltest du zur Sicherheit eine Probe davon mitnehmen, damit sich der Arzt das mal genauer ansehen kann. Wir haben für solche Fälle immer eine leere Packung Speiseeis in der Küche. Der Deckel ist dicht genug, dass du damit nicht alles vollstinkst und nach dem Besuch beim Tierarzt kannst du sie einfach wegwerfen. Außerdem hast du dann einen guten Grund, neues Eis zu kaufen. Im Notfall brauchst du ja die Box.