Katze: Misshandlung erkennen & helfen

Verängstigte Katze
Dieses Kätzchen wirkt sehr verängstigt.

Tierquälerei bzw. Misshandlung von Tieren ist eine Straftat. Die Täter müssen bestraft und den Tieren muss geholfen werden. Misshandlung hat viele Formen. Nicht nur Gewalt gegen Tiere ist Tierquälerei. Auch nicht artgerechte Unterbringung oder die Vorenthaltung von Futter und medizinischen Behandlungen gelten als Misshandlung. Hier erklären wir dir, wie du Misshandlung von Katzen erkennst und selbstverständlich auch, was du dagegen unternehmen und wie du den Katzen helfen kannst.

Dieser Artikel bezieht sich, da wir ein Katzenportal sind, natürlich auf Katzen. Der Großteil der Informationen lässt sich aber auch auf andere Tiere übertragen. Tierquälerei ist eine Schande, vollkommen unabhängig davon, um welches Tier es sich handelt. Ein Lebewesen ist ein Lebewesen.

Misshandlung erkennen

Wie du akute Tierquälerei erkennst, müssen wir dir hoffentlich nicht ausführlich erklären. Wenn du siehst, dass jemand einer Katze Gewalt antut, ist die Sache eindeutig. Im weiteren Verlauf des Artikels gehen wir näher darauf ein, wie du angemessen darauf reagieren und der Katze helfen kannst.

Es gibt auch andere Formen der Tierquälerei, die auf den ersten Blick ersichtlich sind. In jedem Sommer gibt es Berichte über Hunde, die in einem in der Sonne parkendem Auto eingeschlossen waren und entweder gestorben sind oder gerade noch gerettet werden konnten. Wenn du zufällig an einem Auto vorbei gehst, welches bei hohen Temperaturen in der Sonne steht und du auf dem Sitz eine Transportbox für Katzen (oder natürlich auch für irgendein anderes Tier) siehst, handelt es sich um Tierquälerei, wenn sich darin ein Tier befindet.

Da spielt es auch keine Rolle, ob ein Fenster einen Spalt weit geöffnet ist. In dem Auto kann es trotzdem lebensbedrohlich heiß werden. Wenn du nicht erkennen kannst, ob sich in der Box ein Tier befindet, solltest du zur Sicherheit trotzdem die Polizei informieren.

Leider ist es nicht immer ganz so einfach, zu erkennen, ob eine Katze Opfer von Tierquälerei oder Misshandlung ist.

Eine besondere Form der Misshandlung ist das sogenannte „Animal Hoarding“ was übersetzt Tierhortung bedeutet. Der Begriff bezeichnet den Umstand, dass zu viele Katzen auf zu wenig Platz gehalten werden. Dabei geht es nicht um die Frage, ob eine Wohnung möglicherweise nur groß genug für zwei Katzen ist oder, ob nicht doch noch eine dritte Mieze einziehen darf.

Vielmehr geht es um wirklich viele Katzen, die gemeinsam auf sehr wenig Platz zusammen leben müssen. Meistens sind die Umgebungsbedingungen auch noch ungeeignet, weil es zu wenige Toiletten gibt und es ohnehin unhygienisch zugeht. Diese Form der Misshandlung geschieht meist nicht aus bösen Absichten heraus.

Sogenannte Hoarder sind häufig psychisch krank. Sie möchten meist nur Gutes tun und zum Beispiel Straßenkatzen ein Zuhause geben oder sie nehmen Katzen auf, die niemand mehr möchte. Irgendwann werden es dann schlichtweg zu viele. In dieser Situation sind alle überfordert. Die Person genauso wie die Katzen. Es ist kaum mehr möglich, sich um genügend Futterstellen oder Toiletten zu kümmern. Die Wohnung verdreckt. Die Katzen sind extrem gestresst, weil sie keinen Freiraum haben und es ist extrem unwahrscheinlich, dass sich alle Katzen gut verstehen.

Die Wohnung eines Hoarders kannst du oft schon von außen erkennen. Sicherlich siehst du an jedem Fenster Katzen. Es spricht nichts gegen einen Haushalt mit vielen Katzen, wenn genug Platz zur Verfügung steht und Zeit für die Pflege bleibt. Das ist in solchen Wohnungen in den allermeisten Fällen nicht der Fall. Die Katzen wirken wahrscheinlich gestresst und ungepflegt bzw. verwahrlost.

Schalte bei Verdacht bitte das Veterinäramt ein.

Ansonsten kann der Allgemeinzustand einer Katze auf möglichen Missbrauch hinweisen. Um Tierquälerei aufdecken zu können, reicht ein einmaliger Blick auf eine Katze nicht aus. Von außen kannst du nicht erkennen, woher zum Beispiel eine Verletzung stammt. Auch am Verhalten kannst du es schwer erkennen.

Katzen, die misshandelt werden, werden häufig verhaltensauffällig. Meistens handelt es sich dabei um Extremverhalten. Sie können extrem ängstlich oder äußerst aggressiv sein. Sie suchen die Flucht oder signalisieren ihre Bereitschaft zum Angriff. Wenn du auf der Straße einer Katze über den Weg läufst, welche dich sieht und sofort anfängt zu fauchen und eine aggressive Haltung einnimmt, beweist das überhaupt nichts. Möglicherweise hat sie einfach nur einen richtig miesen Tag und du hast ihr ungewollt einen riesigen Schrecken eingejagt.

Ob es sich um eine Verhaltensauffälligkeit handelt, die eventuell auf Misshandlung zurückgeführt werden kann, kannst du nur herausfinden, indem du die Katze über einen gewissen Zeitraum hinweg beobachtest. Gemeint ist hier, dass du sie mehrmals an verschiedenen Tagen sehen solltest. Wenn sie immer so extrem drauf ist, liegt wahrscheinlich eine Verhaltensstörung vor. Misshandlung kann eine Ursache sein.

Selbiges gilt für verletzte Katzen. Es ist noch kein Alarmzeichen, wenn eine Katze eine Gehstörung hat und beispielsweise humpelt. Es kann sich um die Folgen einer früheren Verletzung oder eine chronische Erkrankung handeln. Wenn die Katze ansonsten einen gesunden Eindruck macht, ist das nicht unwahrscheinlich.

Solltest du jedoch eine Katze sehen, die häufiger verletzt oder verwundet ist, solltest du wachsam sein. Katzen sind zwar manchmal ungeschickt, aber es ist schon verdächtig, wenn sich Verletzungen häufen oder eine humpelnde Katze wieder gehen kann und dann auf einem anderen Bein humpelt.

Auf offensichtlich kranke Katzen solltest du natürlich ebenfalls achten. Das offensichtlichste Zeichen ist kaputtes Fell. Eine Katze mit kahlen Stellen im Fell ist aller Wahrscheinlichkeit nach krank. Wenn es nur eine kleine kahle Stelle ist, macht das erstmal nichts. Es kann ja sein, dass die Krankheit gerade erst ausgebrochen ist und die Behandlung noch nicht anschlägt.

Wenn sich der Zustand innerhalb der nächsten Tage nicht bessert oder sogar schlimmer wird, liegt der Verdacht nahe, dass die Katze die nötige Behandlung nicht bekommt. Das wiederum ist ein Fall von Missbrauch.

Tierquälerei mit Gewalt ist immer eine Straftat. Dinge wie Futter oder medizinische Behandlung zu verweigern ist etwas, was sich auf die eigene Katze bezieht. Wenn du in deiner Nachbarschaft also einer abgemagerten oder kranken Katze begegnest und nicht weißt, zu wem sie gehört, dann solltest du versuchen, es herauszufinden.

Es ist nämlich auch gut möglich, dass es sich um eine wild lebende Streunerin handelt. In diesem Fall kannst du sie einsammeln und zum Tierarzt bringen. Untersuchung und Behandlung kosten dich nichts. Das zahlt der Halter, wenn er ermittelt werden kann. Ansonsten übernimmt die Gemeinde die Kosten. Du bezahlst nur Behandlungen deiner eigenen Katze, nicht die von Fundtieren.

Wird die Katze tatsächlich misshandelt?

Tierquälerei ist ein Vorwurf, den du nicht leichtfertig in den Raum stellen solltest. Wenn du sicher bist, dass Gewalt im Spiel ist, vor allem, wenn du sie selbst beobachtet hast, ist der Fall klar. Dann solltest du deinen Verdacht umgehend melden.

Es gibt aber auch zahlreiche Fälle, bei denen du vielleicht Misshandlung vermuten kannst, bei denen sich aber herausstellt, dass alles nur ein Missverständnis ist. So kann es zum Beispiel sein, dass du beobachtest, wie eine Nachbarskatze immer dünner und schwächer zu werden scheint. Du vermutest, dass der Halter seine Katze nicht füttert, was den Tatbestand der Tierquälerei erfüllen würde.

Um einen Verdacht auf Tierquälerei melden zu können, brauchst du einen Verdächtigen mit einer Adresse. Es steht dir frei, den potenziellen Täter selbst anzusprechen. Du weißt ja schließlich, wo er wohnt. Es ist vollkommen legitim, jemanden auf einen Missstand aufmerksam zu machen. Klingel einfach mal bei ihm und sprich ihn ganz ruhig darauf an.

Der Ton macht die Musik. Selbst sehr nette und tierliebe Leute können abweisend und aggressiv reagieren, wenn du an ihrer Tür klingelst und ihnen Tierquälerei vorwirfst. Fang einfach ganz freundlich damit an, dass du vom Fenster aus öfter mal seine Katze siehst. Dir ist aufgefallen, dass sie immer weiter abmagert und du machst dir Sorgen, dass irgendetwas mit ihr nicht stimmt.

Die Reaktion verrät viel über den Menschen, der dir gegenüber steht. Ein tierlieber Mensch wird dich direkt aufklären, warum es der Katze so geht. Vielleicht stellt sich heraus, dass sie einfach schwer erkrankt ist und jetzt von einem Tierarzt behandelt wird. Dein Gegenüber sollte in so einem Fall auch bereit sein, dir den Namen des Tierarztes zu nennen.

Bleibt der Ton locker und freundlich, ist wahrscheinlich alles in Ordnung. Achte aber trotzdem auch auf die Körpersprache samt Mimik. Es ist gar nicht so schwer zu erkennen, ob sich die andere Person ertappt fühlt. Wird sie nervös, hektisch oder antwortet ausweichend, dann ist das kein gutes Zeichen.

Es ist nicht unbedingt immer klug, die Person direkt zur Rede zu stellen. Lass ihn ruhig glauben, dass er dich überzeugt hat und melde anschließend deinen Verdacht. Es besteht schließlich die Möglichkeit, dass sich jemand, der zu so etwas fähig ist und sich erwischt fühlt, seinen Zorn darüber an seiner Katze auslässt. Das willst du sicher nicht riskieren.

Falls die betroffene Katze zu Hause ist und sich zeigt, sagt das etwas über das Verhältnis zwischen Katze und Mensch aus. Verhält sie sich ruhig oder geht sogar friedlich auf ihren Halter zu, verstehen sich die Beiden wohl gut. Eine Katze, die von ihrem Halter misshandelt wird, zeigt ein solches Verhalten in der Regel nicht.

Wenn du die Katze nicht zu Gesicht kriegst, weil sie sich zurückhält oder irgendwo verkriecht, bedeutet das nicht unbedingt, dass ihr etwas angetan wurde oder wird. Wenn wir unsere Wohnungstür aufmachen, ist meistens nur Ginny im Flur, wenn überhaupt. Jack ist fremden Menschen gegenüber skeptisch eingestellt. Er verkriecht sich lieber erst einmal, obwohl er keine negativen Erfahrungen mit anderen Menschen gemacht hat. Es ist ihm einfach nur nicht geheuer.

Bußgelder und Strafen für Tierquälerei bei Katzen

Im Tierschutzgesetz ist festgelegt, was genau als Tierquälerei gilt und wie Verstöße dagegen zu sanktionieren sind. Zentral ist hierbei das Wort „Artgerecht“. Was genau artgerecht nun konkret bedeutet, ist nicht klar definiert.

Grundlegend bedeutet das Wort, dass eine Katze artgerecht gehalten, ernährt und gesundheitlich versorgt werden sollte. Sie muss von ihrem Halter angemessen ernährt, gepflegt und untergebracht werden. Ihre Bewegungsmöglichkeiten dürfen nicht so eingeschränkt werden, dass sie Schmerzen, Schäden oder vermeidbares Leid erfährt.

Alles, was definitiv nicht artgerecht ist, kann als Tierquälerei ausgelegt werden. Wenn du deine Katze zwar ausreichend fütterst, ihr aber bewusst wichtige Nährstoffe vorenthältst, wäre das eine Straftat. Wenn du sie in einem leeren Kellerraum hältst, wäre das ebenso der Fall. Im Recht wird zwischen Ordnungswidrigkeiten und Strafbeständen unterschieden.

Generell ist es strafbar, Katzen und ungewollte Katzenbabys zu töten, zu vergiften oder zu misshandeln. Auch die Versorgung muss gewährleistet sein. Wenn du deine Katze nicht fütterst oder ihr notwendige tierärztliche Behandlungen vorenthältst, machst du dich strafbar.

Im deutschen Recht sind unterschiedliche Strafen vorgesehen, je nach Art des Vergehens und der Schwere der Tat. Dazu gehören zum Beispiel Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren oder Geldstrafen. Darüber hinaus hat der Staat auch das Recht, dir deine Katze wegzunehmen, wenn du wegen Tierquälerei verurteilt wirst. Er kann dir nicht nur deine Katze wegnehmen, er kann dir die Tierhaltung auch generell verbieten.

Folgende Strafen sieht das Tierschutzgesetz für Tierquälerei bei Katzen vor:

TatStrafe
Eigene Katze nicht füttern oder pflegen (Straftat)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre

Geldstrafe

Entzug des Tieres

Tierhalteverbot

Katze aussetzen (Ordnungswidrigkeit)Bußgeld bis zu 25.000 Euro
Katze misshandeln (Straftat)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre

Geldstrafe

Entzug des Tieres

Tierhalteverbot

Katzen stehlen, unterschlagen, durch Hehlerei verkaufen (Straftat)Freiheitsstrafe

Geldstrafe

Katze töten (Straftat)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre

Geldstrafe

Tierhalteverbot

Tierpornografisches Material produzieren oder verbreiten (Straftat)Freiheitsstrafe bis zu drei Jahre

Geldstrafe

Versuchte oder fahrlässige Misshandlung (Ordnungswidrigkeit)Bußgeld bis zu 25.000 Euro

Entzug des Tieres

Tierhalteverbot

Hierbei handelt es sich jeweils um mögliche Strafen. Wenn du deine Katze fahrlässig misshandelst, indem du sie zum Beispiel aus Unwissenheit falsch ernährst, ist es sicher etwas anderes, als wenn du bei dem Versuch erwischt wirst, deiner Katze mit Anlauf gegen den Kopf zu treten. In diesem Fall wäre ein hohes Strafmaß angemessen und dir sollte der Umgang mit Tieren verboten werden. Im ersten Fall kommst du vielleicht mit einer Geldstrafe und dem Versprechen, dass das nie wieder vorkommt, davon.

Was mache ich, wenn ich Tierquälerei beobachte?

Wenn du beobachtest, dass eine Katze gequält oder misshandelt wird, möchtest du ist sicher helfen. Aber wie gehst du am besten vor?

Ich beobachte, wie jemand jetzt gerade eine Katze quält

Wenn du siehst, wie jemand einer Katze oder einem anderen Tier Schaden zufügt, handelst du am besten so, wie du reagieren solltest, wenn du siehst, wie ein Mensch einen anderen angreift. In der akuten Notsituation rufst du am besten sofort die Polizei. Sage den Beamten, was du siehst und wo es passiert. Tiere zu quälen ist eine Straftat. Die Polizei wird sicherlich umgehend jemanden vorbeischicken.

Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Täter die Flucht ergreifen, wenn sie die Polizei kommen sehen. Darum solltest du dein Handy zücken und Fotos oder Videos von der Situation machen, die als Beweise dienen können. Bilder sind aussagekräftiger als jede Personenbeschreibung aus dem Gedächtnis.

Ob du eingreifst, bleibt dir überlassen. Du bist nicht verpflichtet, dich zum Schutze eines Menschen oder Tieres selbst in Gefahr zu begeben. Wenn du in der Dunkelheit alleine eine Gruppe betrunkener Halbstarker beim Quälen einer Katze beobachtest, kann dir niemand einen Strick draus drehen, wenn du Angst davor hast, dass sie dir dasselbe antun, wenn du dich einmischst.

Anders sieht es aus, wenn noch andere Menschen in der Nähe sind. Sprich sie an oder mache lautstark auf die Tierquälerei aufmerksam. Je mehr Zeugen, desto besser. Die meisten Täter ergreifen die Flucht, sobald sie merken, dass sie selbst gerade bemerkt wurden. Das verringert zwar die Chancen, dass die Täter gefasst und bestraft werden, aber du hast immerhin Zeugen und Bilder von dem Vorfall. Und es setzt dem Leid, welchem der Katze gerade angetan wurde, ein Ende.

Sollte die Katze verletzt sein, kannst du versuchen, ihr zu helfen. Wie du das am besten machen kannst, kannst du in unserem Artikel über Erste Hilfe bei Katzen nachlesen.

Sei dabei aber bitte vorsichtig. Die Katze hat sicherlich sehr starke Schmerzen und die Situation zuvor hat ihr unheimlich viel Angst gemacht. Das ist eine sehr explosive Mischung, das Risiko, dass sie deine Hilfsbemühungen mit Kratzen und Beißen quittiert, ist recht hoch.

Wenn die Beamten vor Ort sind und die Situation bereinigt hat, also Maßnahmen eingeleitet haben, um der Katze zu helfen, egal ob sie den Täter stellen konnten oder nicht, kannst du Strafanzeige stellen. Dir entstehen dadurch keine Kosten. Stellst du keine Strafanzeige und der Täter ist entkommen, dann hat er gewonnen. Keine Anzeige bedeutet auch keine Strafverfolgung. Der Täter käme dann straffrei davon.

Fälle von Tierquälerei und Missbrauch melden

Einen Tierquäler auf frischer Tat zu ertappen, ist ein eher seltener Fall. Im Vergleich gibt es deutlich mehr Gewaltverbrechen an Menschen, und so etwas beobachtest du hoffentlich auch nicht täglich.

Wahrscheinlicher ist es, dass du einer Katze begegnest, der anzumerken ist, dass sie misshandelt wird oder wurde. Woran du das erkennen kannst, haben wir ja weiter oben beschrieben. Bevor du jemanden der Tierquälerei bezichtigst, solltest du dir deiner Sache sicher sein.

Wenn du dir sicher bist, kannst du dich an dein örtliches Veterinäramt wenden. Das Veterinäramt ist für die Einhaltung des Tierschutzrechts verantwortlich. Wenn du dich im Internet weiter darüber informierst, findest du häufig Formulierungen, die von Tierhaltung handeln. Tierhaltung wird sehr oft mit landwirtschaftlicher Nutztierhaltung gleichgesetzt. Der Begriff umfasst aber auch Einzeltiere in Privathaushalten. Im Amtsdeutsch hast du keine Katze, du betreibst Tierhaltung einer Katze.

Um dem Veterinäramt einen möglichen Verstoß gegen das Tierschutzgesetz melden möchtest, unternimmst du folgende Schritte:

  • Beweise sichern. Das Veterinäramt kann schneller einschreiten, wenn du Beweise für die Misshandlung vorlegen kannst. Ideal sind Fotos oder Videos von dem geschädigten Tier und natürlich auch von allem anderen, was zum Nachweis des Vergehens geeignet erscheint. Es ist auch gut, wenn du Zeugen hast, die deinen Verdacht bestätigen. Im Idealfall unterschreiben dir die Zeugen eine eidesstattliche Versicherung. Wenn du Zeugen hast, kannst du sie bitten, sich auch selbst beim Veterinäramt zu melden.
  • Du schreibst einen Bericht. Darin sollte alles stehen, was du beobachtet hast und was in dir den Verdacht von Tierquälerei geweckt hat. Der Bericht sollte so präzise wie möglich sein. Im Idealfall kannst du auch den genauen Ort sowie die Uhrzeit deiner Beobachtungen angeben. In den Bericht gehört auch, bei welcher Beobachtung welcher Zeuge anwesend war.
  • Vergewissere dich, dass sich bei dem Vorwurf tatsächlich um einen Verstoß gegen das Tierschutzrecht handelt. Den Gesetzestext kannst du im Internet nachlesen. Im Zweifel fragst du einfach bei einem Tierschutzverband nach. Leider muss sich das Veterinäramt häufig mit Fällen rumschlagen, bei denen es sich eigentlich nur um einen Nachbarschaftsstreit handelt.
  • Verständige das Veterinäramt. Im Internet findest du die Kontaktdaten aller Veterinärämter. Schick deine Meldung an das Amt, welches sich am nahesten an deinem Wohnort befindet.

Die Meldung kannst du meist einfach per Email verschicken. Es kann aber auch nicht schaden, alles noch einmal in gedruckter Form per Einschreiben zu versenden.

Leider wirst du kaum etwas bis gar nichts vom Veterinäramt hören. Selbst wenn du den Vorfall gemeldet hast, verbietet der Datenschutz, dass du Informationen über das Verfahren erhältst. Das gilt auch noch, nachdem der Fall abgeschlossen ist. Es kann lediglich sein, dass dich das Veterinäramt kontaktiert, weil es Nachfragen hat.

Es ist dein gutes Recht, neben dem Veterinäramt auch die Polizei zu informieren und eine Strafanzeige zu erstatten.

Was geschieht, nachdem ich den Verdacht gemeldet habe?

Wie gerade angesprochen, wirst du vom Veterinäramt nichts weiter über den Vorgang erfahren. Du kannst höchstens abwarten und schauen, ob sich die Situation bessert.

Das Veterinäramt prüft deine Anzeige. Wenn der Verdacht nachvollziehbar ist, bekommt der Beschuldigte einen Kontrollbesuch von einem Amtsveterinär. Dieser prüft vor Ort, ob ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz festgestellt werden kann. Dabei gibt es nur ein kleines Problem. Der Amtsarzt kann nur das sehen, was sich in diesem Moment beobachten lässt. Er hat lediglich deinen Bericht, ggf. Zeugenaussagen und die Aussagen der anwesenden Personen.

Was hinter verschlossenen Türen geschieht, kann er nicht sehen und daher auch nicht sanktionieren. Darum sei hier erneut darauf hingewiesen, dass es wirklich wichtig ist, deinen Verdacht so präzise wie möglich zu begründen. Vielleicht bringt ihn ein Detail, welches dir nicht so wichtig erscheint, auf die richtige Fährte.

Wenn ein Missstand festgestellt wird, entscheidet der Tierarzt, was zu tun ist. In der Regel verhängt er Auflagen, die der Beschuldigte zu erfüllen hat. Ist die Katze völlig verwahrlost, kann er anordnen, dass sie artgerechte Pflege bekommt. Ist die Katze krank, wird ihr Halter sich sicherlich um eine Behandlung kümmern müssen. Der Amtstierarzt setzt eine Frist, innerhalb derer die Missstände zu beseitigen sind.

Was er im Endeffekt entscheidet, hängt von der Schwere der Missstände ab. Findet er eine Katze vor, die abgemagert ist, Wunden und offensichtlich ein gebrochenes Bein hat, wird er das Tier höchstwahrscheinlich gleich mitnehmen und sich für ein Tierhalteverbot stark machen. Strafbare Verstöße werden zur Anzeige gebracht.

Sollte sich nichts ändern oder wird der Tierhalter rückfällig, kannst du einen weiteren Verdachtsfall melden. Leider ist aber manchmal so, dass ein Missstand zwar vorzuliegen scheint und in deinen Augen auch vorliegt, der keiner ist. Es gelten die Minimalanforderungen des Tierschutzgesetzes. Sind diese erfüllt, sind dem Amtstierarzt die Hände gebunden. Da ist es leider egal, was du persönlich unter dem Wort Artgerecht verstehst.

Das Einzige, was du noch unternehmen kannst ist, den Tierhalter auf die Problematik anzusprechen. Möglicherweise kannst du ihm erklären, dass etwas falsch läuft, obwohl gegen kein Gesetz verstoßen wird. Unter Umständen ist der Tierhalter schlichtweg überfordert. Eine wirkliche Handhabe hast du nicht. Aber mit etwas Glück zeigt sich der Tierhalter einsichtig und ändert sein Verhalten oder gibt seine Katze in bessere Hände.

Was mache ich, wenn das Veterinäramt nichts unternimmt?

Es gibt die Möglichkeit, den Verdacht an die vorgesetzte Behörde zu melden. Alternativ wendest du dich an die Staatsanwaltschaft. Als letztes Mittel bleibt dir die Dienstaufsichtsbeschwerde.

Das ist aber alles nur das letzte Mittel. Das Problem ist, dass du irgendwie nachweisen können müsstest, dass das Amt deinen Verdachtsfall nicht bearbeitet oder offensichtliche Missstände nicht sanktioniert hat. Einfach ist das sicher nicht.

Vom Veterinäramt selbst wirst du kaum eine Aussage bekommen. Zu dem Fall selbst darf dir das Amt aus Datenschutzgründen keine Auskunft geben. Du kannst höchstens erfahren, ob deine Meldung eingegangen ist und mit etwas Glück auch, ob sie bearbeitet wurde. Das ist dann aber auch schon alles.

Wir halten es für besser, eine Strafanzeige aufzugeben. Die Anzeige gilt nicht dem Veterinäramt, sondern dem mutmaßlichen Täter.

Übrigens: Wenn ein Amtstierarzt Missstände feststellt und nichts dagegen tut, macht er sich gegebenenfalls selbst durch Unterlassung strafbar.

Carsten
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