Overgrooming

Grooming beschreibt die Fellpflege der Katze, wenn sie sich putzt. Manche Katzen neigen jedoch zum sogenannten Overgrooming, also übertriebenem Putzen. Das geht teils so weit, dass sich die Katze das Fell ausreißt oder sich sogar verletzt. Wie kommt es zu diesem Putzzwang? Wie kann ich Overgrooming erkennen und vor allem, wie gewöhne ich ihr das ab? Hier findest du die Antworten.

Warum putzen sich Katzen so viel?

Tatsächlich verbringt deine Katze in etwa 3 ½ Stunden pro Tag mit der Fellpflege. Sie putzen sich hier mal eine Minute, da mal acht Minuten und am Ende kommt eine so lange Zeit zustande. Kein Wunder, dass Katzen zu den reinlichsten Tieren überhaupt zählen. Dabei gehen sie äußerst gründlich vor. Aber die Fellreinigung ist nur einer von vielen Gründen, weswegen Katzen sich so ausgiebig putzen.

Sich zu putzen ist auch ein sozialer Akt. Wenn deine Katze an dir leckt, zeigt sie dir, dass sie dich mag. Befreundete Katzen putzen sich schließlich auch gegenseitig. Der Speichel stellt zudem eine Art Isolierung deiner Katze sicher. Im Fell befinden sich Talgdrüsen. Mit dem Speichel wird das dort anfallende Fett im Fell verteilt, sodass es wie ein Schutzschild gegen Wasser und Kälte wirkt.

Beim Putzen wird außerdem die Endorphinfreisetzung gefördert, sprich, deine Katze baut Stress und Anspannung ab. Die Glückshormone sind dabei eine große Hilfe. Im Sommer hilft das Putzen bei der Kühlung. Katzen können nur über ihre Pfoten ordentlich Wärme ableiten. Die Feuchtigkeit im Fell hat einen kühlenden Effekt. Gelegentlich putzen sich Katzen als Übersprungshandlung. Deine Katze weiß dann gerade nicht, was sie als nächstes tun wird, also putzt sie sich eben.

Was ist Overgrooming?

Allerdings gibt es auch Katzen, die es mit der Fellpflege ordentlich übertreiben. Das nennt man dann Overgrooming und ist eine psychische Verhaltensstörung. Wenn sich deine Katze krampfhaft putzt, spricht man von Overgrooming. Es ist überhaupt nicht schlimm, wenn deine Katze sich am Tag länger als 3 ½ Stunden putzt.

Manche Katzen putzen sich besonders gerne und andere Katzen haben möglicherweise überhaupt keine Lust, so viel Zeit in die Fellpflege zu investieren. In der Phase des Fellwechsels putzen sich viele Katzen auch intensiver als üblich. Ebenfalls keine Sorgen zu machen brauchst du dir, wenn sich deine Katze mal ins Fell beißt und mit den Zähnen daran zieht. Dann hat sie einfach einen Knoten im Fell entdeckt, den sie herausrupfen möchte.

Sorgen solltest du dir aber machen, wenn deine Katze mit dem Putzen nicht mehr aufhört. Beim Overgrooming rupfen sich Katzen das Fell gerne mal büschelweise aus oder putzen sich so intensiv, dass sich kahle Stellen im Fell bilden. Einige Tiere gehen sogar so weit, dass sie so sehr mit den Zähnen arbeiten, dass sie sich Wunden zufügen. Beim Menschen würde man von selbstverletzendem Verhalten oder Selbstverstümmelung sprechen. Das nennt sich dann Overgrooming bzw. psychogene selbstindizierte Alopezie.

Overgrooming ist behandelbar und nicht tödlich. Allerdings sorgen Verletzungen dafür, dass deine Katze deutlich anfälliger für Krankheiten ist als sonst. Keimen, Viren und Bakterien steht die Tür offen.

Was verursacht Overgrooming?

Overgrooming ist den Depressionen bei Katzen in gewisser Weise ähnlich. Deine Katze wird nicht eines Tages aufwachen und sich denken „toller Tag, ich glaub jetzt lecke ich mich kaputt“. Dieses Verhalten entwickelt sich mit der Zeit. Die Ursache ist in der Regel Stress. Dabei ist es unerheblich, welcher Art dieser Stress ist.

Angst, Einsamkeit, Vernachlässigung, große Hektik oder eine veränderte Umgebung, alles bedeutet für deine Katze Stress. Sie ist gestresst und angespannt. Deine Katze versucht sich, zur Entspannung zu putzen. Dabei werden Hormone wie Endorphine ausgestoßen. Deine Katze fühlt sich glücklicher und entspannter, also putzt sie weiter.

Mit der Zeit wird sie süchtig nach dieser Art Rauschzustand, denn das Glücksgefühl überlagert die Schmerzen. Lässt das Glücksgefühl nach, wird nachgelegt. Die Negativspirale der Sucht wird in Gang gesetzt. Beim Menschen ist das ja kaum anders.

Es gibt Menschen, die haben einen stressigen Job und kommen entsprechend gestresst nach Hause. Mit einem kühlen Bier wird der Stress gelindert. Nach und nach werden es aber immer mehr. Der Körper gewöhnt sich an die Alkoholzufuhr und fordert sie irgendwann von selbst ein. Das erhöht den Stress, der wiederum den Alkoholkonsum steigert. Irgendwann stirbt einer der Menschen auf dem Weg zur Arbeit, weil er im Rausch vor ein fahrendes Auto geschwankt ist.

Overgrooming ist nicht immer psychisch bedingt

Overgrooming ist eine psychische Erkrankung. Solltest du den Verdacht haben, deine Katze fängt mit Overgrooming an, solltest du zuerst zum Arzt gehen, denn nicht immer ist ausschließlich die Psyche schuld.

Es gibt viele Krankheiten, die ähnliches Verhalten auslösen können. Deine Katze kann zum Beispiel von Parasiten befallen sein. Das juckt natürlich und deine Katze versucht erfolglos, das Jucken zu stoppen, indem sie sich vermehrt putzt. Möglicherweise hat sie auch eine innere Entzündung. Dann versucht sie, die Schmerzen zu lindern. Sollte sich deine Katze immer nur an einer bestimmten Stelle das Fell zerstören, liegt es möglicherweise daran.

In solchen Fällen verlängerst du nur das Leid deiner Katze, wenn du nicht zum Tierarzt gehst. Körperliche Ursachen sollten gleich zu Beginn ausgeschlossen werden, bevor du versuchst, deiner Mieze das Overgrooming abzugewöhnen.

Nebenerscheinungen beim Overgrooming

Overgrooming ist als psychische Krankheit nicht tödlich. Jedoch solltest du deine Katze sehr gut im Auge behalten. Wie bereits erwähnt, sind Wunden herrliche Einfallstore für Keime, Bakterien etc. Du solltest daher besonders gut darauf achten, ob deine Katze sonstige Erkrankungserscheinungen zu zeigen beginnt.

Deine Katze wird dir wahrscheinlich häufiger in die Wohnung kotzen. Durch das viele Putzen verschluckt sie besonders viele Haare, die sie in Form von Haarbällchen wieder hochwürgt. Aber auch die Menge der Haare, die durch das Verdauungssystem flutschen, steigt stark an. Das Risiko eines Darmverschlusses ist erhöht.

Achte daher auch auf das Fress- und Ausscheideverhalten deiner Katze, denn ein nicht schnell behandelter Darmverschluss endet meistens tödlich. Um ihr zu helfen, kannst du ihr Anti-Haarball-Leckerchen geben. Du kannst ihr auch einfach etwas Butter oder Malzpaste geben. Das schmeckt den meisten Katzen hervorragend und wirkt wie ein Schmiermittel für Hals und Gedärm.

Meine Katze verliert sehr viele Haare, ist sie krank?

Nun, es gibt Katzen, die haaren relativ wenig und welche wie Ginny, bei der können wir auch im Hochsommer mit der Hand durchs Fell fahren und haben anschließend Hände wie ein Hobbit.

Im Fellwechsel ist das besonders schlimm. Im Frühjahr, wenn es wärmer wird, stoßen Katzen ihr dickes Winterfell ab und schlüpfen in den leichteren Sommerpelz. In dieser Phase haart eigentlich jede Katze sehr stark.

Logischerweise verschluckt deine Katze dabei mehr Haare als üblich, weswegen sie sich vermutlich häufiger übergibt. Um diese Frage ganz kurz zu beantworten: Nein, starkes Haaren allein ist kein Anzeichen für Overgrooming. Sorgen zu machen brauchst du dir erst, wenn sie sich extrem putzt oder sich kahle Stellen im Fell bilden.

Was kann ich gegen dieses Verhalten unternehmen?

Nachdem körperliche Ursachen ausgeschlossen wurden, stehst du vor dem Depressionen-Problem. Deine Katze kann dir nicht sagen, was sie bedrückt, also musst du selbst herausfinden, warum sie sich so verhält. Das große Problem dabei haben wir bereits angesprochen: In den seltensten Fällen kannst du Ursache und Wirkung direkt erkennen. Das Verhalten schleicht sich ein, die Ursache liegt möglicherweise monatelang zurück.

Hat sich in den letzten Monaten etwas verändert? Bist du evtl. vor einem Jahr umgezogen? Die psychogene selbstinduzierte Alopezie, wie Overgrooming auch genannt wird, kann sich erst jetzt zeigen. Möglicherweise kann sich deine Katze einfach nicht richtig mit dem neuen Revier anfreunden. Das hat sie unter Stress gesetzt und sie hat ihn so lange ertragen, bis es nicht mehr auszuhalten war.

Hast du seit Monaten eine lärmende Großbaustelle in der direkten Nähe deiner Wohnung? Hast du die Marke des Katzenstreus oder des Futters gewechselt? Auch das kann Stress verursachen, der sich erst nach einiger Zeit Luft verschafft.

Wenn dir nichts einfällt, bleibt dir eigentlich nur noch die Kunst der Beobachtung. Am besten nimmst du dir ein kleines Büchlein und notierst, wann deine Katze das Verhalten an den Tag legt und in welchem Kontext das geschieht. Vielleicht kannst du daraus Schlussfolgerungen ziehen.

Beispiel: Du bist ein großer Fußballfan und verfolgst nicht nur die Bundesliga, sondern auch den Pokal und die internationalen Wettbewerbe. Gerade zum Anfang der Saison kommt es häufig vor, dass an mindestens vier Tagen pro Woche Fußballspiele übertragen werden. Währenddessen oder danach rupft sich deine Katze die Haare aus. Bei Filmen oder Serien macht sie das nicht.

In diesem Fall scheint sie vom Fußball gestresst. Nicht, weil sie den Sport nicht mag, sondern wohl eher, weil ihr die Fangesänge auf den Keks gehen. Das stete Grundrauschen stresst sie. Bei so einer Vermutung, probiere es mal ohne Ton und schaue, wie deine Katze reagiert. Mit einem einzigen Versuch wirst du aber sicher nicht auskommen, da das Verhalten auch angewöhnt ist.

Vielleicht overgroomt sie immer eine bestimmte Zeit nach einem Toilettenbesuch. Ein Streuwechsel könnte helfen. Putzt sie sich normaler, nachdem du mit ihr gespielt hast, war es ihr vorher einfach zu langweilig. Auch Langeweile ist eine Form von Stress.

Eines darfst du deiner Katze jedoch keinesfalls antun. Du darfst sie für ihr Verhalten nicht bestrafen. Deiner Katze geht es sowieso schon schlecht und das macht die Sache nur noch schlimmer. Du darfst sie dabei auch nicht beachten. Sollte sie das tun, um deine Aufmerksamkeit zu bekommen, darfst du sie ihr nicht geben. Vor allem solltest du nicht versuchen, deine Katze dabei zu streicheln, um sie zu beruhigen. Damit zeigst du ihr, dass selbstverletzendes Verhalten positiv ist und belohnt wird.

Behandlung von Overgrooming

Richtig behandeln kann man Overgrooming nicht. Du kannst eigentlich nur das tun, was gerade beschrieben wurde, nämlich versuchen, die Ursache aufzuspüren und sie zu beseitigen. Widme deiner Katze etwas mehr Aufmerksamkeit, wenn sie nicht gerade das Fell abzieht.

Nun bleibt allerdings noch ein Problem. Und das betrifft die kahlen Stellen im Fell sowie Verletzungen. Die Haut ohne Fell ist ungeschützt und besonders angreifbar durch Hitze oder Kälte. Noch schlimmer sind Wunden, die sich entzünden können und diversen Krankheiten Tür und Tor öffnen.

Das muss natürlich irgendwie behandelt werden. Dabei solltest du eng mit deinem Tierarzt zusammenarbeiten. Ihr müsst einen Kompromiss aus Stressvermeidung und notwendiger Behandlung finden. Häufig wird ein Trichter um den Hals empfohlen, damit deine Katze sich nicht weiter wund lecken kann. So ein Trichter kann aber enormen Stress auslösen, da er deine Katze im Alltag eindeutig einschränkt. Es kann auch passieren, dass sie statt zu lecken dazu übergeht, sich mit den Krallen zu kratzen.

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Hat sich deine Katze durch Overgrooming richtige Wunden zugefügt, müssen diese natürlich verarztet werden. Der Tierarzt muss sie säubern und versorgen. Um einen Body wird deine Katze kaum herum kommen, denn die Wunden dürfen nicht mehr erreichbar sein, da sie sonst nicht abheilen. Allerdings kann es gut sein, dass deine Katze noch intensiver an den Stellen kratzt und leckt, damit sie bis zur Haut durchkommt. Möglicherweise kann dir der Tierarzt ein leichtes Beruhigungsmittel für deine Katze mitgeben.

Genau so wie Overgrooming entsteht, so verschwindet es wieder. Es geht nicht von heute auf morgen. Es braucht seine Zeit, bis deine Katze begreift, dass der Stress auslösende Umstand dauerhaft nicht mehr da ist, dass es sich eben nicht um eine Ausnahme handelt. Daher haben wir in dem Beispiel mit dem Fußballspiel auch geschrieben, dass du mit einem Versuch nicht auskommen wirst. Beim Menschen ist das auch so.

Beispiel: Du hast einen Arbeitskollegen, der jeden Nachmittag seine Ablage macht. Dabei klickt er ständig mit dem Kugelschreiber. Am Anfang ist das etwas störend, mit der Zeit ist es nur noch nervig und irgendwann kriegst du schon die Krise, wenn sich die Uhrzeit langsam auf die Ablagezeit deines Kollegen zubewegt.

Plötzlich hört er auf, an diesem einen Tag klickt er nicht wild herum. Bist du sofort wieder absolut entspannt und glücklich? Oder befürchtest du, dass es eine Ausnahme ist und er vielleicht einfach nur seinen Kugelschreiber vergessen hat? Am nächsten Tag wirst du bestimmt wieder ein ungutes Bauchgefühl bekommen, wenn der Kollege auf den Plan tritt. Dass er sich diesen Tick endlich abgewöhnt hat, verinnerlichst du erst in den nächsten Wochen. Dann verschwindet auch nach und nach dein Groll.

Und wie wir zu so etwas gerne zu sagen pflegen: Deiner Katze geht es nicht anders.