Katze kontrolliert mich

Der misstrauische Kontrollblick eines Katers.

Es gibt zwei Arten, wie deine Katze dich kontrollieren kann. Eine ist harmlos und zeigt reine Neugier, zum Beispiel, wenn deine Katze deine Einkäufe kontrolliert. Eine andere Art ist dagegen schlimmer, nämlich, wenn sie versucht die Kontrolle über dich zu übernehmen. Das kann dann irgendwann schon in eine Art Psychoterror und Machtkampf ausarten. Warum deine Katze dich kontrolliert und was du dagegen machen kannst, verraten wir dir in diesem Ratgeber.

Katze kontrolliert und überwacht mich

Wie soeben erwähnt, gibt es eine gute Art der Kontrolle. Einerseits kann sie dich nicht aus den Augen lassen und folgt dir auf Schritt und Tritt oder, sie kontrolliert deine Einkäufe. Beides beruht auf Neugier und ist nicht böse gemeint. Hier gehen wir etwas näher darauf ein.

Einkäufe und Koffer werden kontrolliert

Klassische Situation: Du kommst nach dem Einkauf nach Hause, stellst deine Einkaufstasche ab und noch bevor du deine Jacke aufgehängt oder die Schuhe ausgezogen hast, hockt deine Katze in der Tasche. Nachdem du sie herauskomplimentiert hast, beäugt sie jeden Artikel, den du auspackst, ganz genau.

Das ist nur reine Neugier. Eine Tasche ist wie eine Höhle, die auch noch lustig knistert, wenn man sich darin bewegt. Außerdem bringst du etwas Neues in das Revier deiner Katze, da muss sie natürlich direkt nachgucken, was das denn alles ist. Hauptsächlich geht es aber um deine Katze selbst.

Vielleicht kennst du das ja. Als Kind war dein Vater evtl. mal auf Geschäftsreise. Als er dann wiederkam, hast du dich sicher sehr gefreut, aber auch gehofft, dass er dir irgendetwas mitgebracht hat. Deine Katze ist so ein Kind. Sie hofft, dass du ihr leckeres Futter, neue Leckerlis oder sogar ein Spielzeug mitgebracht hast.

Genauso ist es mit Kartons. Wir bestellen relativ viel im Internet. Immer, wenn ein Paket geliefert wird, sind unsere Miezis ganz aufgeregt und wir müssen stets aufpassen, dass wir sie nicht verletzen, wenn wir das Paketband aufschneiden. Kaum ist ein Teil des Deckels offen, wird versucht, sich hinein zu quetschen, um so zu tun, als wäre man selbst gerade geliefert worden. Obwohl, eigentlich tun sie es ja doch nur, um herauszufinden, ob etwas im Paket ist, was für sie interessant sein könnte.

Bei Koffern ist das auch nicht anders. Du holst da dieses große Objekt her, welches so aussieht, als könne etwas darin sein. Und natürlich möchte die Katze gleich rein da, um alles zu inspizieren. Und da sie nur selten die Gelegenheit hat, in den Koffer zu krabbeln, möchte sie dort sicher auch so schnell nicht wieder dort raus.

Wie du siehst, wenn deine Katze alles kontrolliert, was du ein- oder auspackst, dann ist das reine Neugier, sie will dich garantiert nicht ärgern.

Katze verfolgt mich / kontrolliert alles, was ich tue

Das kann zwei Gründe haben. Manche Katzen sind von Natur aus sehr Menschenbezogen. Unsere Ginny ist da ein Paradebeispiel. Immer, wenn wir mal länger weg sind, kümmert sich ein Nachbar um die Katzen. Sobald er durch die Tür herein kommt, weicht sie ihm keinen cm von der Seite. Einmal mussten wir sie bei einer Freundin „parken“. Die hat sich dann auch gewundert, wie anhänglich so eine Fellnase sein kann.

Wenn wir da und wach sind, macht sie das bei uns nicht. Verlassen wir mal beide den Raum, dauert es aber nicht lange, bis sie hinterher kommt. Sie will einfach in unserer Nähe sein und wissen, was wir so treiben. Es ist ein Zeichen für Verbundenheit und Neugier. Es könnte wirklich schlimmer sein. Wenn deine Katze sich auch so verhält, geht es ihr sehr gut bei dir.

Allerdings kann es aber auch Probleme zwischen euch bedeuten. Wenn deine Katze omnipräsent ist, bettet sie eventuell auch nach Aufmerksamkeit. Sie fühlt sich vernachlässigt und hofft, dass du ihr mal etwas Aufmerksamkeit zukommen lässt und mit ihr spielst oder ihr das Fell pflegst. Eine Katze kann dabei ziemlich penetrant und nervig sein. Wenn du mehr Zeit mit deiner Katze verbringst, wird sich das Verhalten mit der Zeit sicher ändern.

Katze versucht, die Kontrolle über mich zu übernehmen

Kommen wir nun zur negativen Seite dieses Themas, welche nichts mehr mit Neugier zu tun hat. Deine Katze versucht, die Kontrolle über dich zu übernehmen.

Einfaches Beispiel: Deine Katze rollt sich regelmäßig auf deinem Schoß ein und lässt sich streicheln. Nach einer bestimmten Zeit steht sie dann auf und geht. Musst du aber mal zwischendurch aufstehen und vertreibst sie von ihrem Platz, wirst du angefaucht oder mit Krallen angegriffen. Deine Katze kontrolliert dich. Sie allein bestimmt, wann und wie lange geschmust wird. Passt dein Zeitplan nicht zu ihrem, wird sie bösartig.

Anderes einfaches Beispiel: Du willst dich auf die Couch setzen. Auf deinem Stammplatz hat es sich aber deine Katze gemütlich gemacht. Du möchtest sie auf das Sitzkissen daneben bewegen und wirst angegriffen. Schon wieder kontrolliert deine Katze dich. Sie bestimmt, wo sie liegt und wo du sitzen darfst.

In solchen Fällen stellt sich die Frage, wer eigentlich wen erzieht. Erziehst du deine Katze oder erzieht sie dich? Sie sieht dich als Rivalen an, was nicht gerade besonders gut ist. Oder sie sieht in dir so etwas wie ein Rudelmitglied, aber sie versteht sich als die Anführerin. Wenn du dich so verhältst, wie es ihrer Meinung nach richtig ist, ist ja zuckersüß und lieb zu dir und wenn nicht, dann setzt es einen mit den Krallen.

Die große Frage lautet nun, warum macht sie das und wie kannst du ihr das wieder abgewöhnen? Dieses Verhalten bedeutet ja nicht, dass sie dich generell nicht ausstehen kann.

Zunächst solltest du dir die Frage stellen, wann dieses Verhalten angefangen hat. Hat es einen Auslöser oder eine Ursache gegeben? Eventuell eine Veränderung der Umgebung, welche deiner Katze immer noch bitter aufstößt? Hat es einen Vorfall zwischen euch gegeben, der sich negativ auf eure Bindung zueinander ausgewirkt hat?

Liegt es an Veränderungen, sollte es reichen, diese rückgängig zu machen. Deine Katze wird es dir sicher danken und sich dir gegenüber weniger aggressiv verhalten.

Sollte irgendetwas vorgefallen sein, ist es sehr schwierig, deiner Katze wieder normales Verhalten beizubringen, denn ein Ereignis lässt sich nicht ungeschehen machen. Eine Entschuldigung wird deine Katze leider nicht verstehen. Selbst, wenn du Frieden schließen möchtest und sie mit den besten Leckerchen der Welt verwöhnst, ist sie kognitiv nicht in der Lage, den Zusammenhang zwischen einem vergangenen Ereignis und dem Friedensangebot herzustellen.

Hast du keine Ahnung, warum sich deine Katze so aggressiv verhält, kannst du dich immer noch einen Katzenpsychologen zu Rate ziehen. Dieser hilft dir, die Probleme mit deiner Katze in den Griff zu bekommen. In der Fachwelt nennt man solches Verhalten oft…

Statusaggression

In ihrer Weltanschauung sieht sich so ziemlich jede Katze als König bzw. Königin der Welt. Sie lassen uns ziemlich schnell wissen, was sie wollen und was nicht. Bei einer gut erzogenen Katze ist das auch egal, die Katze bekommt, was sie benötigt. Dafür dürfen wir in ihrem Königreich leben und sie dankt uns für unsere Dienste mit Liebe und Treue.

So manche Katze jedoch nicht ganz so leicht glücklich zu machen. Wenn eine Katze ihrem Menschen gegenüber nicht wohlwollend gesinnt ist, kommt es zu Verhalten, welches Statusaggression genannt wird. Die Katze möchte durch aggressives Verhalten ihren gedachten Status untermauern. Ihrer Meinung nach gehört ihr alles und wenn du nicht kuschst, bekommst du es zu spüren. Das kann so weit gehen, dass deine geliebte Katze auf einmal anfängt, dich zu beißen, was im schlimmsten Fall sogar tödlich sein kann.

Mikel Maria Delgado ist eine Katzenverhaltenstherapeutin aus den USA, die sich auf Statusaggressionen professionalisiert hat. Sie verfügt über jahrelange Erfahrung auf diesem Gebiet und hat festgestellt, dass Statusaggressionen besonders oft bei Katzen auftreten, die in sehr restriktiven Haushalten aufgewachsen sind.

Katzen verstehen nicht, warum manche Bereiche der Wohnung für sie tabu sind. Sie wissen nur, dass es so ist. Sie brauchen ihre Freiheiten und Freiräume. Es ist durchaus okay, wenn eine Katze irgendwo nicht rauf oder rein darf.

Unsere Lieblinge dürfen zum Beispiel nicht im Bad und haben auf der Anrichte auf der Küche nichts zu suchen. Die Ausnahme ist in der Nähe des Kühlschranks. Von dort springen sie immer auf den Kühlschrank drauf. Von dort aus ist es ein leichter Weg auf die Oberschränke. Da dürfen sie ja auch sein.

Dass sie ansonsten nicht auf die Anrichte sollen, zumindest, wenn wir Essen zubereiten, haben sie nicht ganz gecheckt, aber wir nehmen sie dann einfach runter und dann ist es gut.

In vielen Haushalten geht es aber ganz anders zu. Da dürfen Katzen vielleicht mehrere Räume nicht betreten und werden gemaßregelt, wenn sie vor der Tür sitzen und maunzen. Oder sie dürfen viele Flächen nicht betreten, zum Beispiel neben der Anrichte auch noch Tische, Fensterbänke oder Stühle. Da wird die Katze sprichwörtlich in der Pfanne verrückt.

Menschen, die ihrer Katze den Zugang zum halben Revier verweigern und sie dafür maßregeln, sollten sich überlegen, die Katze abzugeben und sich stattdessen einen Hund anzuschaffen. Dem macht das nicht so viel aus.

Der Knackpunkt scheint demnach die Maßregelung zu sein. Zu viel davon gehen der Katze gewaltig auf den Wecker. Wenn du deiner Katze alles Mögliche verbietest, fängt sie irgendwann an, Rache zu nehmen, indem sie anfängt, dir auch Sachen zu verbieten und ihren eigenen Willen durchzusetzen.

Wenn dem so ist, solltest du versuchen, Frieden zu schließen. Lass deiner Katze mehr Freiheiten und bestärke positives Verhalten, anstatt sie für negatives Verhalten zu bestrafen. Du kannst auch versuchen, ihr Verhalten durch gezieltes Klickertraining in die gewünschte Richtung zu lenken.

Übrigens: Ein Tierpsychologe kann dir selbst beibringen, wie du dich verhalten kannst, um solche Situationen zu entschärfen. Das bedeutet nicht, dass er dir beibringt, der Katze zu gehorchen oder geschickter zu werden, was deine Ausweichfähigkeiten im Angriffsfall angeht. Das Training ist sozusagen für euch beide, auf dass ihr wieder friedlich vereint gemeinsam zufrieden leben könnt.