Medikamente Verabreichen

Im Zweifel musst du eine Tablette genau DORT reinbekommen.
Bild: Christine Numrich

Über kurz oder lang wird deine Katze Medikamente brauchen. Natürlich wünschen wir dir und deiner Katze nur das Beste, aber dass sie bis ins hohe Alter keine Medikamente benötigen wird, ist äußerst unwahrscheinlich, allein schon weil sie entwurmt werden muss und wahrscheinlich wird sie sich mal den Magen verderben oder so etwas. Dann kommt das Problem, die Medizin in die Katze zu bekommen und glaub mir, bittere Medizin in ein Kleinkind zu bekommen ist deutlich einfacher. Hier erfährst du, wie du deiner Katze erfolgreich Medikamente verabreichen kannst.

Katzen und Medikamente

Wenn deine Katze krank ist, machst du dir natürlich Sorgen und gehst mit ihr zum Tierarzt. Die meisten Krankheiten sind harmlos und können mit Medikamenten behandelt werden. Der Arzt untersucht deine Katze. Wenn eine Erkrankung festgestellt wird, bekommt sie meistens eine erste Dosis des entsprechenden Medikaments vor Ort. Dann erklärt dir der Arzt was los ist und wie du deine Katze weiter behandeln kannst.

Bei uns endete einmal ein Gespräch mit dem Arzt mit seiner Frage „bekommen Sie die Tablette auch da rein?“. Ein altbekanntes Problem scheinbar, denn Medikamente haben nicht unbedingt die Eigenschaft, einer Katze zu schmecken. Die Verabreichung einer im wahrsten Sinne des Wortes bitteren Pille ist nicht unbedingt besonders einfach, wenn man es mit einem Raubtier zu tun hat. Glaub mir, wir haben da mittlerweile viel Erfahrung auf dem Gebiet, da wir natürlich mit unserem ersten Kater bei jeder Kleinigkeit zum Arzt gefahren sind und Ginny hat einen eher empfindlichen Magen-Darm-Trakt, der häufiger mal untersucht werden musste.

Medikamente in Pulverform verabreichen

Pulver waren bei uns immer die liebste Darreichungsform. Üblicherweise wird Pulver einfach unter das Nassfutter gerührt. Deine Katze wird sich vermutlich fragen, warum das Futter heute so gut zubereitet ist und nicht nur als Flatsch aus der Tüte daherkommt, aber in der Regel ist das die einfachste Methode, vor allem, wenn das Pulver nicht intensiv schmeckt. Der Geschmack und die Sauce bzw. das Gelee vom Katzenfutter verdünnen es dann so weit, dass deine Katze davon wahrscheinlich so gut wie nichts mitbekommt.

Du solltest bei Medikamenten auch stets nachfragen, ob es das Mittel nicht auch in Pulverform gibt. Es ist eben besonders einfach, Pulver unters Essen zu rühren. Tröpfchen oder Tabletten sorgen für eine deutlich höhere Wahrscheinlichkeit eines Katzenbisses während der Medikamentenausgabe.

Tröpfchen oder flüssige Medikamente eingeben

Bei Tröpfchen bzw. flüssiger Medizin wird es schon kritischer. Wenn das Medikament lediglich aufs Futter oder in den Wassernapf geträufelt werden kann, ist die Welt absolut in Ordnung. Wenn du die Flüssigkeit jedoch direkt ins Mäulchen geben musst, kann es haarig werden. Du musst alles vorbereitet haben, heißt, die Medizin sollte bereitstehen und eventuell benötigte Hilfsmittel auch.

Unserer Erfahrung nach funktioniert es am besten, die Katze „ins Koma zu kraulen“. Lass sie sich bei dir einrollen, kraul sie und warte, bis sie eine ganz entspannte Haltung eingenommen hat und sie sich sichtlich wohl fühlt. Meist legt sie dann ja den Kopf auf die Seite. Das ist deine Chance. Wenn dir deine Katze vertraut und du sie am Gesicht anfassen darfst, ist das fast ein Selbstläufer.

Das Mäulchen lässt sich dann ganz leicht öffnen. Muss die Medizin nicht zum Beispiel explizit auf die Zunge gegeben werden, schiebst du ihr die paar Tropfen einfach zwischen die Lippen und lässt sie hineintropfen bzw. -laufen.

Ansonsten solltest du dich eher von vorne nähern, das Mäulchen ein wenig öffnen und die Tropfen auf die Zunge geben. Die Bewegung kannst du vorher üben, damit die Tropfen schon drin sind, bevor die Katze realisiert, was hier gerade vor sich geht. Danach einfach weiter kraulen und dir sollte dieses nervige Verhalten mit dem komischen Geschmack schnell verziehen sein.

Der Katze Tabletten verabreichen

Hier musst du für gewöhnlich besonders vorsichtig und geduldig sein. Zumindest bei unseren Katzen ist die Verabreichung von Tabletten immer ein mittleres bis großes Schauspiel. Als erstes fragst du deinen Tierarzt, ob du die Tablette im Essen verstecken kannst. Im Idealfall darfst du sie auch mit einem Löffel zerbröseln und als Pulver unters Futter mischen.

Unsere Katzen sind sehr spitzfindig und genau im „richtigen“ Moment misstrauisch. Über einen längeren Zeitraum hat es geklappt, dass wir Tabletten in Hühnerherzen versteckt haben. Hühnerherzen sind nicht jedermanns Geschmack, aber sie sind günstig zu haben und bestehen aus hochwertigem Muskelfleisch. Unsere Katzen lieben die Dinger als frische Abwechslung, jagen sie kurz durch die Wohnung und dann wird wie wild drauf los gekaut.

Natürlich fordern sie dann noch weitere Herzen, was ja auch ok ist, ein kleines Herzchen ersetzt ja alleine keine Mahlzeit. Versteck die Tablette am besten im zweiten Herzchen, denn wahrscheinlich reicht ihr eines nicht und sie ist so im „Blutrausch“, dass sie die Tablette vielleicht gar nicht richtig bemerkt.

Die Tablette unters Futter zu mischen klappt bei uns auch nicht (mehr). Jack zum Beispiel steht total auf Dosenthunfisch. Man muss die Dose nur aus dem Schrank nehmen, schon kommt er angerast. Eine Thunfischdose scheint für Katzen anders zu klingen als eine Dose voller Mais oder zerhackten Tomaten. Wie auch immer, wir haben eine kleine Tablette unter den Thunfisch gemischt. Er hat auch wie gewohnt so gefressen, dass um ihn herum die Welt hätte untergehen können, ohne dass er es merkt. Der Napf war wie gewohnt blitzeblank und leer. Nur die Tablette war noch drin, die hat er immer wieder ausgespuckt.

Tabletten, die einen starken Eigengeschmack oder -geruch haben, werden oft ausgespuckt. Ist die Medizin unters Futter gemischt, wird oft nur halbherzig gegessen, falls die Katze das „verseuchte“ Futter nicht gleich ganz ignoriert.

Dann hilft ein ganz einfacher Trick. Nimm zum Beispiel einen Babybrei, der ohne Zucker auskommt und möglichst nur aus Fleischbrei besteht. Nimm eine kleine Menge davon und vermische sie mit der Medizin. Dann schmierst du deiner Katze den Brei einfach ins Fell, am besten an einer Stelle, die sie gut erreichen kann. Der Putztrieb besiegt den Ekel in den allermeisten Fällen. Wichtig ist ja nur, dass die Medizin irgendwie in die Katze kommt. Bevor eine Katze mit verklebtem Fell herumläuft, überwindet sie eher den Ekel und leckt alles ab.

Nun gibt es auch Tabletten, die müssen ohne Futter am Stück verabreicht werden. Diese in die Katze zu bekommen ist wahrscheinlich auch dann schwer, wenn du das Mäulchen deiner Katze mit den Händen öffnen darfst. Am Anfang klappt es vielleicht noch ganz gut. Aber die Katze kriegt das recht schnell raus, wann du ihr wieder so ein Ekelding einflößen willst. Häufig werden Tabletten wieder ausgespuckt. In diesem Fall musst du ihr das Mäulchen nach der Eingabe einen Moment zu halten, bis die Katze schluckt.

Das kann einen Moment dauern, aber auf den natürlichen Schluckreflex ist eigentlich immer Verlass. Sollte sie die Tablette dennoch wieder ausspucken, versuchst du es einfach erneut. Ist sie zu aufgeregt für einen neuen Versuch, gib ihr ein Leckerli und versuche es in ein paar Minuten erneut. Hierzu noch allgemein ein Tipp: Du kannst die Tablette auch mit etwas Butter ummanteln. Butter ist in kleinen Mengen nicht schädlich, viele Katzen mögen Butter sogar. Außerdem flutscht die Tablette dann besser und kann nicht im Hals stecken bleiben.

Wenn das nicht klappt, bleibt dir nur noch die harte Tour: Du musst deiner Katze die Tablette aufzwingen. Das Risiko, gebissen zu werden, ist hier besonders hoch, zumal diese Methode für das Tier sehr stressig ist. Wenn du einen glatten Tisch hast, wäre das ein guter Untergrund, um deine Katze dort hinzusetzen. Wenn sie sich wehrt, kann sie nicht so einfach davonlaufen.

Dann hältst du deine Katze fest. Die Katze sollte vor dir sitzen oder liegen, mit dem Rücken zu dir. Nun setzt du einen Haltegriff an. Mit einer Hand greifst du von hinten um den Brustkorb. Die Vorderbeine arretierst du jeweils, indem du sie zwischen je zwei Fingern steckst. So hast du schon mal eine gute Kontrolle. Die Vorderbeine der Katze sind jetzt wenig beweglich und du kannst deinen Schatz auch an der Brust an- bzw. hochheben, damit sie noch schwerer weglaufen kann.

Jetzt kannst du versuchen, der Katze mit der anderen Hand die Tablette zu verabreichen. Allerdings muss die Katze da mitspielen. Im Idealfall ist eine zweite Person anwesend. Du kannst die Katze festhalten und sie streicheln, damit sie sich nicht bedroht fühlt. Die andere Person kann versuchen, das Mäulchen zu öffnen, die Tablette hineinzulegen und den Schluckreflex anzuregen. Wer welche Rolle übernimmt, müsst ihr natürlich selbst wissen. Sich mit den Händen dem Mäulchen einer gestressten und sich wehrenden Katze zu nähern ist sehr gefährlich. Aber du kennst deine Katze besser und weißt, mit wie viel Kraft du sie so fest anfassen kannst, ohne ihr wehzutun. Und vermutlich kannst du dem Schmerz besser widerstehen, der dir durch die Krallen wahrscheinlich zugefügt wird.

Wenn das nicht geht und du die Tablette mit der genannten Methode nicht in die Katze bekommst, hilft nur noch der Handtuchtrick. Dafür brauchst du – Überraschung – natürlich ein Handtuch. Du setzt deine Katze darauf oder noch besser, du wartest bis sie sich bäuchlings hinlegt. Dann rollst du die Katze ein, indem du erst das eine und dann das andere Ende des Handtuchs um sie schlägst und bevor sie kapiert was los ist, wickelst du sie vor allem am Hals so ein, dass sie nicht weglaufen kann. Pass nur auf, dass du ihr die Luft nicht abschnürst.

Wichtig ist, dass vor allem die Vorderbeine nicht mehr zur Abwehr genutzt werden können. Wenn du die Hinterbeine auch gut erwischst, kann die Katze sogar gar nicht mehr weglaufen. Nun kann die zweite Person die Katze festhalten und du, dem sie sicher mehr vertraut, kannst dich daran machen, sie zu beruhigen, die Kiefer zu spreizen und die Tablette zu verabreichen. Ein Leckerchen als Belohnung und die Katze ist nicht lange nachtragend.

Diesen Trick kannst du auch alleine durchführen. Nach dem Einwickeln kannst du die Katze vorsichtig zwischen Arm und Körper einklemmen. Dann hast du auch beide Hände frei, um ihr die Medizin zu geben. Diese Methode solltet du aber möglichst nur anwenden, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind.