Ailurophobie – Angst vor Katzen

Auch wenn es für Katzenliebhaber schwer nachvollziehbar ist, gibt es Menschen, die Angst vor Katzen haben. Der Fachbegriff für Angst vor Katzen lautet Ailurophobie. Diese Katzenphobie ist weiter verbreitet als du vielleicht denkst, sie ist lediglich unbekannter als die Angst vor Hunden, Spinnen oder Schlangen. Hier möchten wir dich über Ailurophobie aufklären und Wege aufzeigen, wie du deine Angst vor Katzen überwinden oder anderen Betroffenen helfen kannst.

Woher kommt die Katzenphobie?

Tierphobien sind in den meisten Fällen anerzogen. Sie haben in der Regel keinen natürlichen Ursprung, wie es bei der Angst vor dem Tod, vor Feuer oder bei Höhenangst der Fall ist. Bei so etwas geht es um Urinstinkte, vor allem um den Überlebensinstinkt.

Das ist bei Tierphobien nur selten der Fall. Die Angst vor Spinnen (Arachnophobie) ist die wohl am weitesten verbreitete Tierphobie. Wenn ein Kleinkind eine Spinne sieht, reagiert es mit Interesse und Neugier auf das unbekannte Wesen. Zeigt ein Elternteil Angst vor der Spinne, lernt das Kind, dass es sich dabei um etwas handelt, vor dem man sich fürchten sollte.

So ähnlich ist es auch bei der Angst vor Katzen. Wenn ein Elternteil Angst vor Katzen hat oder Katzen einfach nur hasst, kann diese Angst auf das Kind übergehen. Im Laufe des Lebens kann sich diese Angst immer weiter verfestigen, bis eine starke Phobie vorliegt.

Es kann aber ebenso gut sein, dass ein frühkindliches Trauma die Ursache der Katzenphobie ist. Wenn ein kleines Kind mit einer Katze spielt und es dabei unabsichtlich übertreibt, kann es vorkommen, dass sich die Katze mit Zähnen und Krallen zur Wehr setzt. Diese schmerzhafte und schockierende Erfahrung kann sich in die Seele des Kindes einbrennen.

Interessanterweise ist die Katzenphobie unter Männern besonders stark verbreitet. Psychologen und Verhaltensforscher interpretieren dies als eine Angst vor dem weiblichen Geschlecht, da Katzen überwiegend weiblich konnotierte Eigenschaften zugesprochen werden.

Wie verbreitet ist die Angst vor Katzen?

Wie viele Menschen unter Ailurophobie leiden, lässt sich nicht mit Gewissheit sagen. Geschätzt sind es derzeit etwa 15 Millionen Menschen weltweit. Die Dunkelziffer liegt aber wahrscheinlich noch deutlich höher.

Viele Menschen verschweigen ihre Angst vor Katzen. Angst vor Spinnen oder Hunden zu haben, ist in der Gesellschaft vollkommen normal. Selbst die meisten Hundehalter können verstehen, dass Menschen auf der Straße Angst vor ihren Hunden haben können. Das Verständnis geht so weit, dass die Rasse des Hundes egal ist, obwohl ein ausgewachsener Schäferhund sicherlich deutlich gefährlicher sein kann, als ein winziger Chihuahua.

Bei Katzenliebhabern ist das noch nicht ganz so weit vorgedrungen. Eine Katze ist doch klein, süß und kuschelig, warum sollte jemand davor Angst haben? Katzen nicht leiden zu können und sie deswegen zu meiden ist die eine Sache, Angst davor wird leider immer noch oft als unsinnige Übertreibung bewertet. Teils verstehen die Betroffenen sogar selbst nicht, warum der Anblick einer Katze in ihnen so starke Reaktionen hervorruft.

Wie äußert sich die Ailurophobie?

Wie jede Phobie äußert sich auch die Angst vor Katzen nicht immer gleich. Grundlegend sind es aber die klassischen Symptome einer typischen Angststörung. Dazu gehören:

  • Angst
  • Herzrasen
  • Kurzatmigkeit
  • Nervosität
  • Panikattacken
  • Schweißausbrüche
  • Schwindel
  • Unwohlsein

Es müssen nicht alle Symptome auftreten. Jede Person reagiert anders, je nachdem, wie ausgeprägt die Angst ist. Es hängt auch immer von der Situation und der Katze ab. Manche Menschen kommen mit Katzen eigentlich gut klar, reagieren jedoch vielleicht auf schwarze Katzen panisch. Oftmals ist es auch ein Unterschied, ob die Katze nur von weitem rüber schaut oder den direkten Kontakt sucht.

Die Angst vor Katzen überwinden

Jede Phobie ist heilbar. Bei einer Tierphobie hilft meistens eine Konfrontationstherapie. Ist die Angst nur schwach ausgeprägt, kann man sich auch selbst helfen. Ist die Phobie jedoch so stark, dass sie sich spürbar auf den Alltag auswirkt, ist es wohl besser, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.

Eine Psychotherapie aufgrund einer Angststörung wird von der Krankenkasse übernommen. Du suchst dir Psychotherapeuten in deiner Umgebung und vereinbarst ein Erstgespräch. Das kostet dich nichts. Wenn ihr euch für eine Therapie entscheidet, stellt der Therapeut einen Antrag auf Kostenübernahme. Sobald dieser bewilligt ist, kann es mit der eigentlichen Therapie losgehen.

Es ist wichtig, der Angst auf den Grund zu gehen, sie selbst und ihre Ursprünge zu verstehen. Sei unbesorgt, ihr redet in Ruhe darüber, du musst nicht damit rechnen, dass der Therapeut auf einmal fünf Katzen in den Raum holt. Nachdem ihr die Angst ergründet habt, erarbeitet ihr eine Strategie, mir der du deine Angst überwinden kannst.

Üblicherweise wirst du nach und nach immer mehr mit Katzen konfrontiert. Du gibst dabei das Tempo vor und am Ende sollte die Anwesenheit einer Katze für dich kein Problem mehr darstellen. Niemand erwartet von dir, dass du dann zu einem absoluten Katzenliebhaber wirst, aber mit Sicherheit wirst du einen ganz entspannten Umgang mit Katzen pflegen können.

Deine eigene Angst vor Katzen überwinden

Vorneweg sei gesagt, dass eine Psychotherapie in der Regel die sinnvollste Möglichkeit darstellt, die Angst vor Katzen zu überwinden, da du nicht nur die Symptome bekämpfst, sondern auch das zugrundeliegende Problem bewältigst.

Wenn deine Katzenphobie dich nicht großartig in deinem Alltag behindert oder du dich weigerst, eine Psychotherapie zu machen, kannst du ein paar Dinge versuchen, um dir selbst zu helfen. Wichtig ist, dass du deine Angst analysierst und wirklich bereit bist, dich ihr zu stellen.

Angenommen, deine Angst macht sich bereits bemerkbar, wenn du eine Katze nur siehst. Dann wäre ein erster sinnvoller Schritt, dich an den Anblick zu gewöhnen. Eine Möglichkeit ist, das Internet nach Katzenfotos zu durchsuchen. Such dir ein Bild aus, welches dir nicht allzu viel Angst macht. Eine eingerollte Schmusekatze ist mit Sicherheit eine bessere Idee als eine, die aggressiv in die Kamera faucht.

Wenn dir das schon zu viel Katze auf einmal ist, kannst du natürlich auch jemanden bitten, dir ein passendes Bild rauszusuchen. Es kann generell nicht schaden, jemanden zu haben, der dich unterstützt und motiviert, bei der Sache zu bleiben.

Dieses Bild druckst du dir aus. Deine Aufgabe besteht darin, es regelmäßig anzusehen. Du solltest dir ein Ziel setzen, zum Beispiel zehn Minuten lang auf das Bild zu gucken, ohne zwischendurch wegzusehen. So gewöhnst du dich an den Anblick. Setz dich in Ruhe hin, die Füße stellst du auf den Boden und wenn sich die Angst bemerkbar macht, atmest du langsam tief ein und aus. Du atmest tief in deinen Bauch.

Es ist absolut in Ordnung, wenn du es am Anfang nur ganz kurz aushältst. Wenn die Angst zu stark wird, legst du das Bild zur Seite und versuchst, dich wieder zu beruhigen. Später kannst du es erneut versuchen. Es muss nicht noch am selben Tag sein. Damit sich ein positiver Effekt einstellt, solltest du diese Übung allerdings täglich durchführen.

Wenn du diese Übung gemeistert hast und das Bild zehn Minuten lang quasi angstfrei ansehen kannst, geht es mit Katzen in Bewegung weiter. Auf Videoplattformen wie YouTube findest du Unmengen an Katzenvideos, die zum allergrößten Teil süß und witzig sind. Hier setzt du dir ebenfalls ein Ziel, zum Beispiel zehn bis fünfzehn Minuten lang Katzenvideos anschauen zu können, ohne starke Angst zu verspüren.

Sobald das möglich ist, bist du bereit für die entscheidende Phase: Der Kontakt mit einer lebenden Katze.

Das ist ein wirklich schwieriger Schritt. Wenn dir dieser zu große Angst macht, kannst du es zunächst mit einer falschen Katze ausprobieren. Bestell dir vielleicht einfach eine Plüschkatze und gib ihr einen schönen Platz in deiner Wohnung. Sieh sie an, dann nähere dich ihr. Vielleicht schaffst du es nach einer Weile sogar, sie mit in dein Bett oder zumindest auf die Couch zu nehmen. Ein dreidimensionales Plüschtier in Form einer Katze ist eine ganz andere Erscheinung als ein flaches Bild oder Video.

Nun kannst du dir überlegen, wie du Kontakt mit einer normalen Katze aufnehmen kannst. Vielleicht hast du ja Freunde, Verwandte oder Nachbarn, die Katzen haben. Im Zweifel kannst du auch ein Tierheim aufsuchen. Mit etwas Glück hat ein Mitarbeiter Zeit, dich langsam mit einer Katze vertraut zu machen.

Bei diesem Schritt ist es besonders wichtig, dass du das Tempo selbst bestimmst. Wenn du es mit der Angst zu tun bekommst, brich den Versuch ab. Beim nächsten Versuch läuft es dann bestimmt schon ein wenig besser.

Sieh dir die Katze zunächst aus der Ferne an. Beobachte sie ein wenig. Wenn du es schaffst, die Katze über einen längeren Zeitraum zu beobachten, ohne große Angst zu verspüren, kannst du nach und nach die Distanz verringern. Geh ruhig auf sie zu. Es kann nicht schaden, wenn jemand dabei ist, der sich mit Katzen auskennt und die Körpersprache des Tieres versteht.

Das wird umso wichtiger, wenn du dir den direkten Kontakt zutraust. Vielleicht kommt die Katze von sich aus zu dir. Da ist es gut zu wissen, dass sie friedfertig und einfach nur neugierig ist. Von dort aus ist es nur noch ein kleiner Schritt. Berühre die Katze vorsichtig. Streichle sie am Rücken, das ist für den Erstkontakt die beste Stelle. Versuche, so ruhig wie möglich zu bleiben, um sie nicht zu erschrecken.

Sobald der Kontakt hergestellt ist, geht vermutlich alles relativ schnell und du verlierst die Angst vor Katzen komplett. Im Laufe des gesamten Prozesses kann es hilfreich sein, wenn du dich mit Katzen auseinandersetzt. Lies etwas über Katzen, zum Beispiel Artikel auf diesem Katzenportal, oder schau dir Dokumentationen über Katzen an, um dich mit ihnen vertraut zu machen.

Wenn es möglich ist, solltest du ab jetzt häufiger mal Kontakt zu Katzen haben, damit sich das neue Gefühl der Angstlosigkeit manifestiert. Ansonsten kann es gut sein, dass der Effekt nach ein paar Monaten oder Jahren verpufft ist und du unterbewusst wieder in dein früheres Verhaltensmuster zurückfällst.

Zum Abschluss noch ein kleiner Tipp: Behalte das Katzenbild, mit dem alles angefangen hat. Nimm es und häng es zum Beispiel bei deinem Schreibtisch an die Wand. So wirst du immer daran erinnert, dass du stark bist. Du hattest mal eine irrationale Angst vor Katzen. Aber du hast Stärke bewiesen, deinen Mut zusammengenommen und angefangen, der Angst entgegenzutreten. Am Ende hast du sie besiegt. Du hast keine Angst mehr vor Katzen und angefangen hat das alles mit genau diesem Bild an deiner Wand.

Betroffenen Personen helfen

Vielleicht bist du gar nicht hier gelandet, weil du Angst vor Katzen hast. Vielleicht hast du selbst eine Katze und jemand in deinem Bekanntenkreis besucht dich eher ungern, weil er Angst vor deiner Katze hat und sich in ihrer Gegenwart nicht wohlfühlt. Dann kannst du das machen, was Freunde nun mal machen: Sie helfen ihren Freunden.

Zunächst ist es wichtig, die Angst zu verstehen. Für dich ist sie schließlich fremd, du liebst deine Katze. Dein Freund findet sie möglicherweise auch ganz nett, aber bekommt es eben mit der Angst zu tun. Versetz dich am besten in eine Lage, die mit seiner vergleichbar ist. Du hast doch bestimmt auch vor irgendetwas Angst.

Es genügt eine grundlegende Angst, vor Spinnen, einer Sportverletzung oder einem Verkehrsunfall. Solche Ängste sind ebenfalls irrational, aber sie sind eben da. Dein Freund empfindet sie eben in Anwesenheit deiner Katze. Die Angst ist nicht gespielt, sie ist real.

Warte auf einen ruhigen Moment und sprich deinen Freund ganz ruhig auf seine Angst an. Biete ihm an, ihm dabei zu helfen, diese Angst zu überwinden. Vermutlich bist du kein Psychotherapeut, aber es dürfte deinem Freund schon helfen, wenn er sich mal so richtig darüber auslassen kann und das Gefühl bekommt, dass du seine Angst ernst nimmst.

Lässt er sich darauf ein, kannst du grundlegend so vorgehen, wie zuvor beschrieben. Sprich mit ihm über deine Katze. Du hast sicherlich viele süße und witzige Anekdoten zu erzählen, die deinen Freund neugierig machen können. Zeig ihm auch Bilder oder Videos von Katzen. Begleite ihn bei oben genannten Übungen und bleib dabei bitte geduldig.

Er bestimmt das Tempo. Ihn zu bedrängen hat nur negative Effekte. Kaum etwas ist so kontraproduktiv wie „Du musst dir das jetzt noch angucken“, „Jetzt stell dich nicht so an“ oder „Das kann doch wirklich nicht so schwer sein“.

Einmal kommt die Zeit, da wird er bereit für den realen Kontakt sein. Sollte er Berührungsangst haben und noch nicht wollen, dass deine Katze ihm zu nahe kommt, kannst du ihr ja ein Geschirr anlegen und sie an der Leine führen. Gemeinsam baut ihr die Annäherungsversuche nach und nach aus. Dein Freund kann dir sicherlich auch vertrauen, dass du deine Katze in- und auswendig kennst und dazwischen gehst, wenn du merkst, dass es ihr gerade zu viel wird.

Dein Freund wird dir für deine Hilfe mit Sicherheit dankbar sein. Es ist doch für euch alle schön, wenn ihr euch endlich allesamt ganz entspannt bei dir treffen könnt. Auch deiner Katze wird das gut tun. Katzen sind sensible Tiere. Deine Katze spürt es, wenn sich jemand in ihrer Gegenwart gestresst und unwohl fühlt.