Katze entlaufen

Der schlimmste Albtraum eines Katzenhalters ist, dass die Katze stirbt. Der zweitschlimmste Albtraum ist, dass die Katze entlaufen ist oder als Freigängerin einfach nicht zurückkommt. In diesem Fall gibt es wenigstens noch Hoffnung. Hier erfährst du, was du tun solltest, wenn deine Katze entlaufen ist und wie du dafür sorgen kannst, dass du sie möglichst schnell zurückbekommst.

Vorbereitung für die Suche treffen: Der Steckbrief

Sicherlich hast du schon mal Steckbriefe von vermissten Katzen gesehen. Die meisten Steckbriefe sind schlecht leserlich geschrieben, oft fehlen auch wichtige Informationen, die zur Ergreifung der gesuchten Katze von Bedeutung sein können. Der Fehler dieser Katzenhalter ist es, dass sie sich nicht vorbereitet haben. Die Zettel sind panisch geschrieben und kopiert. Du kannst das besser, indem du Steckbriefe für deine Katzen vorbereitest.

Der Gedanke ist sicherlich nicht schön, es fühlt sich in etwa so an, als würde man darüber nachdenken, einen Nachruf für einen geliebten Menschen zu schreiben. Aber da musst du durch, denn dass deine Katze ausbüchst oder tagelang nicht heimkommt, ist nun mal möglich.

Nimm dir am Wochenende mal eine bis zwei Stunden Zeit. Setz dich an deinen Computer und erstelle ein Dokument. Alle Informationen müssen präzise sein und auf eine Seite Papier passen. Natürlich beginnst du mit der Überschrift „Katze entlaufen!“, gefolgt von mindestens einem Bild deiner Katze. Es kommt hier nicht auf Schönheit an. Wenn ein Bild eine klare Besonderheit deiner Katze zeigt, ist es vollkommen egal, ob das Bild gut ist oder nicht. Wichtig ist hauptsächlich, dass die Passanten deine Katze gut erkennen können.

Wenn du einen Farbdrucker hast ist das besonders gut, denn zumindest in den Großstädten sind die Menschen solche Steckbriefe mittlerweile so gewohnt, dass sie oft gar nicht mehr wahrgenommen werden. Ein Farbfoto jedoch lenkt die Aufmerksamkeit auf deinen Zettel und viel mehr Menschen lesen ihn auch.

Besonders wichtig ist der Text. Fang mit einer kurzen Einleitung an. Darin sollte stehen, wann deine Katze entlaufen ist. Hier lässt du natürlich Raum, um später ein Datum einzutragen. Dann schreibst du, wo du wohnst und bittest die Nachbarn, auch in Kellern, Garagen, Schuppen etc. nachzusehen. Nicht selten huscht eine Katze unbemerkt hinein und wird versehentlich eingeschlossen. Mehr als ein kurzer Absatz sollte es nicht sein, denn Passanten haben in der Regel keine Lust, sich einen ellenlangen Text durchzulesen.

Anschließend folgt eine Auflistung der wichtigsten Merkmale. Das könnte so aussehen:

  • Name: Jack
  • Geschlecht: Männlich
  • Alter: 8 Jahre
  • Körperbau: Drahtig / Schlank
  • Rasse: Waldkater-Mischling
  • Fell: Grau-Schwarz getigert, am Bauch längeres Fell
  • Besondere Merkmale:
    • Ecke im linken Ohr
    • Chip linksseitig an der Schulter
    • Vorsichtig nähern – Misstrauisch gegenüber fremden Menschen
    • Ausgeprägte „M“-Zeichnung zwischen den Augen
    • Fellwirbel auf der Nase

Das sind die wichtigsten Informationen, die ein Passant brauchen würde, um unseren Jack zu finden. Überlege dir einfach, welche Merkmale besonders markant sind. Du kannst auch ungewöhnliche Verhaltensweisen kurz beschreiben, beispielsweise „faucht immer, wenn ein Auto hupt“. So ungewöhnliche Merkmale bleiben den Leuten im Gedächtnis und vielleicht läuft ja wirklich jemand die Straße entlang, ein Auto hupt und die Person vernimmt ein Fauchen. Ich würde mich an diese Kuriosität erinnern und nachsehen, ob ich die Katze irgendwo finde.

Am Ende gibt es noch einen kurzen Schlusssatz, der freundlich zur Mithilfe auffordert. Dann folgen deine Kontaktdaten.

Abgeschlossen wird das Ganze mit Zettelchen zum Abreißen, auf denen deine Kontaktdaten, mindestens Email- und Handynummer, stehen. Wenn Jack entlaufen wäre, wäre ich über jeden Hinweis nach dem Motto „Ich hab ihren Steckbrief gesehen, gerade hat ein Auto gehupt und ich habe ein Fauchen gehört. Ich bin an Adresse XY, habe aber einen wichtigen Termin und kann nicht bei der Suche helfen“, froh. Jeder Hinweis zählt.

Den Steckbrief kannst du immer auf dem neuesten Stand halten. Wenn deine Katze irgendwann leichte Probleme mit dem linken Hinterlauf bekommt und sie ihn nicht mehr perfekt bewegen kann, ist das eine sinnvolle Information, die du ergänzen könntest. Wenn ich jetzt im akuten Notfall einen Steckbrief für Jack erstellen würde, würde ich vielleicht den Fellwirbel auf der Nase vergessen. In der Datei kannst du so etwas immer schnell nachtragen, wenn dir noch ein Merkmal eingefallen ist

Wenn es dann wirklich soweit ist, dass deine Katze entlaufen ist, druckst du den Steckbrief einfach 50-mal oder so aus. Du nimmst den Stapel auf der Suche mit und hängst die Steckbriefe an Zäunen oder Laternen auf.

Selbst nach der Katze suchen

Natürlich machst du dich selbst auf die Suche nach deinem felligen Flüchtigen. Zuerst suchst du an dem eigentlich unpassendsten Ort, nämlich deiner Wohnung. Hier stellst du alles auf den Kopf und durchleuchtest mit einer Taschenlampe auch die allerletzte Ecke. Es kann durchaus sein, dass deine Katze krank ist und lautlos in einer ganz versteckten Ecke Schutz sucht. Wir haben selbst schon häufiger intensiv nach einer unserer Katzen suchen müssen, nur um festzustellen, dass sie einen neuen ungestörten Platz zum Schlafen gefunden hat.

Ist die Katze definitiv nicht in der Wohnung, klingelst du zunächst bei allen Nachbarn und bittest sie, nachzusehen, ob sie die Katze nicht zufällig in Garage, Keller oder Gartenhaus eingeschlossen haben.

Anschließend gehst du draußen auf die Suche. Nimm die Steckbriefe und ausreichend Nägel, oder besser Klebeband, mit. Darüber hinaus solltest du irgendetwas mitnehmen, was vertraut riecht oder klingt. Katzen können Duftspuren extrem weit zurückverfolgen. So finden sie auch immer wieder nach Hause. Wenn die Klamotten, in denen du sie zuletzt beschmust hast, noch nicht gewaschen wurden, zieh sie am besten an. Wenn es der Schlafanzug war kannst du ihn auch unter normaler Kleidung tragen, die Katze wird den Geruch trotzdem wiedererkennen.

Wenn deine Katze ein Lieblingsgeräusch hat, zum Beispiel das ihres Lieblingsspielzeugs mit einem Glöckchen darin, nimm es unbedingt mit und schüttele es immer wieder. Für dich klingen alle Glöckchen gleich, die Katze hört aber genau, dass es das Glöckchen ihres Spielzeugs ist. Du kannst auch eine Dose Leckerchen mitnehmen und immer wieder schütteln, dann wirst du schnell eine große Auswahl an Katzen um dich rum haben und kannst dir eine aussuchen.

(Das mit dem aussuchen war natürlich ein Scherz)

Vorsorgemaßnahmen treffen

Du kannst auch Vorsorgemaßnahmen treffen, damit deine Katze nicht so leicht entlaufen kann. Daneben kannst du auch in gewissem Rahmen beeinflussen, wie gut deine Katze wiederzufinden ist.

Ein Klassiker, vor allem für Freigänger, ist das Chippen. Deine Katze bekommt einen Chip in den Nacken eingesetzt, mit dem sie weltweit identifizierbar ist. Das Chippen kostet in etwa zwischen 30 und 50 Euro. Jedes Tierheim und so ziemlich jeder Tierarzt hat ein Gerät, mit dem der Chip ausgelesen werden kann. Auf diese Weise kann dir deine Katze mit absoluter Sicherheit zugeordnet werden. In einem separaten Artikel haben wir ausgeführt, was es mit dem Chippen von Katzen auf sich hat und wie es funktioniert.

Es gibt auch spezielle GPS-Tracker für Katzen. Die Sender werden am Halsband der Katze angebracht. Über das Ortungssystem kannst du jederzeit nachschauen, wo deine Katze gerade ist. Wirklich gute Systeme erlauben auch die nachträgliche Verfolgung deiner Katze. Wenn sich deine Katze in einen fremden Keller geschlichen hat, hat sie dort höchst wahrscheinlich keinen GPS-Empfang. Da du dann aber weißt, wo sie langgegangen ist, kannst du sie bis zu dem Keller verfolgen und mit dem Eigentümer sprechen, dass er deine Katze da wieder rausholt.

Ein GPS-Tracker ist für deine Hauskatze natürlich etwas übertrieben und Freigänger sollten eigentlich kein Halsband tragen, damit sie nicht in einem Gebüsch steckenbleiben und sich erwürgen. Den Chip solltest du ihr für den Fall der Fälle aber trotzdem implantieren lassen. Damit deine Katze nicht zufällig durch ein geöffnetes Fenster entläuft, kannst du dir einen passgenauen Rahmen, bespannt mit einem Katzennetz, bauen. Die flexiblen Drähte des Netzes sind relativ dünn, sodass keine Gefängnis-Atmosphäre entsteht, aber robust genug, dass deine Katze sie nicht einfach aufschlitzen kann wie bei einem Fliegengitter.

Wenn du zur Miete wohnst, musst du dir den Einbau von diesen Rahmen genehmigen lassen, da die Rahmen außen angebracht werden und im Sinne des Mietrechts eine Veränderung am Gebäude darstellen. Wenn dein Vermieter ein *lautespiepen* ist, hast du die Möglichkeit, die Fenster auf Kipp zu stellen. Es gibt nämlich zahlreiche Gitter, die speziell für diesen Zweck gemacht sind. Deine Katze kann dann nicht raus und sich auch nicht zwischen Fenster und Rahmen einklemmen. Das Fenster ganz öffnen kannst du dann eben nur noch, wenn die Katze ausgesperrt ist.